Leipzig. Rund ein Jahr sind Marko Hofmann und Thomas Franke quer durch Deutschland getourt. Entstanden ist dabei ein Buch über die Europapokalhelden des 1. FC Lok Leipzig. Die beiden Autoren haben ihr Werk „neunzehn87“ genannt. Es erinnert an die legendären Spiele der Loksche vor 25 Jahren auf dem Weg ins Finale des Europapokals der Pokalsieger in Athen. Von Freitag an ist das Buch in Internetshops und der Connewitzer Verlagsbuchhandlung in Specks Hof erhältlich.
„Wir haben alle Spieler von damals und die Trainer Uli Thomale und Gunter Böhme besucht“, berichtet Hofmann. Für den Autoren, der zum Zeitpunkt des Endspiels gerade drei Jahre alt war, begann eine spannende Zeitreise. In seinem Kinderzimmer hing über dem Bett ein Poster der Finalmannschaft. „Dadurch kannte ich zumindest die Gesichter der Spieler“, sagt Hofmann.
Im Fall von Hans Richter half ihm das trotzdem nicht weiter. Richter lebt seit mehr als 20 Jahren in Hessen, spricht den dortigen Dialekt und trainiert die A-Jugend des Verbandsligisten Rot-Weiß Walldorf. Auch rein äußerlich hat der Hans Richter von heute mit dem Hans Richter des 1. FC Lok nichts mehr gemein. „Der Schnauzer ist ab, die Haare sind schulterlang“, so Hofmann. Nicht mal sein einstiger Mannschaftskamerad Heiko Scholz habe ihn bei einem gemeinsamen Interviewtermin in Leverkusen wiedererkannt.
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Die Idee für das Buch ist vor drei Jahren entstanden. „Wir fanden, dass die Leistungen dieser Mannschaft nicht ausreichend gewürdigt worden sind“, sagt Hofmann. Der Weg zum fertigen, 324 Seiten starken Buch, war holprig. Viele Spieler haben nach 1989 Leipzig verlassen, bei anderen war die Karriere zu Ende. „Von Matthias Lindner hatten wir keine Telefonnummer, da sind wir auf gut Glück vorbeigefahren“, verrät Hofmann.
Nur schwer zu beschaffen waren Fotos von den Auswärtsspielen im Europapokal. Aufnahmen vom Spiel gegen Glentoran Belfast bekamen die beiden Autoren aus dem Archiv der dortigen Lokalzeitung.. Bilder vom Vergleich mit Rapid Wien verkaufte ein österreichischer Fotograf für kleines Geld. „Er hatte die Negative seit damals nicht mehr angefasst“, berichtet Hofmann. Aufnahmen professioneller Agenturen seien wegen des hohen Preises kaum in Frage gekommen.
In erster Linie ist das Buch aber neben seinen Interviews, Statistiken und Hintergrundgeschichten eine Sammlung von Anekdoten. Wie etwa die vom Spiel gegen des FC Sion im Zentralstadion. Am 4. März 1987 hatte der Winter mit Schnee und Matsch Leipzig fest in seiner Hand. Die 21.000 Zuschauer im Zentralstadion sahen einen Rasen in katastrophalen Zustand.
„Die Lokspieler haben für besseren Halt einfach Nägel in ihre Schraubstollen geschlagen“, verrät Hofmann. Dafür seien die Stollen abgesägt, die Nägel platziert und die Kappen zum Schein für den Schiedsrichter wieder aufgesetzt worden. Der Unparteiische habe nichts bemerkt. „Zum Glück wurde niemand verletzt“, so der Autor. Lok gewann mit sicherem Stand durch Tore von Olaf Marschall und Hans Richter in der Schlussphase glücklich mit 2:0.
Der studierte Lehrer Hofmann und der Kommunikationswissenschaftler Franke, der bereits das Lok-Buch „Von Athen nach Althen“ geschrieben hat, bringen ihr Werk in symbolträchtiger Auflage von 1987 Stück heraus. Es kostet 26 Euro.
Am Samstag findet 18 Uhr in der Club Lounge auf dem Gelände des Bruno-Plache-Stadions eine Lesung mit Uli Thomale und Marko Hofmann statt. Der Eintritt ist frei, Bücher werden verkauft. ISBN - 978-3-937799-67-4