Leipzig. In der Fußball-Regionalliga Nord hat Rasenballsport Leipzig am Mittwoch die Tabellenführung an den
Halleschen FC
verloren. RB unterlag am Abend vor 5524 Zuschauern in der heimischen Red-Bull-Arena dem ZFC Meuselwitz mit 0:1. Das Tor fiel bereits nach 120 Sekunden. Danach reichte einen schwache Leistung der Rot-Weißen nicht für einen Ausgleich.
RB-Trainer Peter Pacult nannte das Ergebnis bitter – für die Spieler wie für die Fans. „Jeder, der Fußball gespielt hat, kennt solche Spiele.“ Er meint damit Partien, in denen ein Fehler für eine Niederlage ausreicht. Sein Trainer-Kollege Holm Pinder sprach von einem glücklichen, aber am Ende durch die kämpferische Leistung auch verdienten Sieg. ZFC-Schlussmann Norman Teichmann, einer der Garanten des Erfolgs, meinte hingegen: „Nur mit Glück gewinnt man so ein Spiel nicht. Bei uns war heute einer für den anderen da. Dadurch konnten wir die Räume für RB eng machen.“
Den Start in die Partie verschlief RB völlig. Es waren gerade zwei Minuten gespielt, da lag der Favorit aus Leipzig bereits zurück. Bei einem Freistoß konnte die RB-Verteidigung nicht klären. Der Ball kam zu Carsten Weis, der mit einem Haken an der Strafraumgrenze gleich zwei Verteidiger der Rot-Weißen ins Leere springen ließ und dann die Kugel zur Führung der Gäste einschob. RB-Kapitän Daniel Frahn sagte später: „Wir haben Pech, dass Meuselwitz mit der ersten Aktion den Treffer macht. Bei uns wäre der Ball wahrscheinlich drei Meter neben dem Tor gelandet.“
Nach diesem Schock bemühte sich RB Leipzig um druckvolles Spiel nach vorne. Die Hausherren agieren jedoch oft zu statisch, scheiterten an ungenauem Passspiel oder Fehlern in der Ballannahme. Bei den beiden Sturmspitzen Daniel Frahn und Roman Wallner kam das Spielgerät meist nicht an.
Nach einer halben Stunde wurden die Aktionen der Pacult-Elf zwingender: Thiago Rockenbach wuselte sich an der Grundlinie in Richtung Tor durch und passte zu Wallner. Der traf jedoch aus zwei Metern den Ball nicht richtig. Flehend reckte der Österreicher die Hände zum Himmel. Kurz darauf knallte Sebastian Heidinger die Kugel aus 16 Metern in Wembley-Manier an die Latte. Von dort prallte der Ball wieder aus dem Tor.
Insgesamt war die Leistung von RB in der ersten Halbzeit zu wenig für eine Mannschaft, die aufsteigen will. „Wir haben zu unruhig gespielt“, analysierte Pacult. Die meisten Zuschauer quittierten das Gesehene zur Pause mit lauten Pfiffen. Dafür hat der Trainer Verständnis: „Wenn sie bei einem 0:1 jubeln würden, wären sie nicht unsere Fans“, sagte Pacult.
Nach dem Seitenwechsel suchte RB Leipzig weiter den Weg nach vorne, aber selten gelangen flüssige Kombinationen. In der 48. Minute hätte eine der wenigen Aktionen fast zum Ausgleich geführt: Henrik Ernst setzte sich gegen seinen Gegenspieler an der Grundlinie durch und passte in die Mitte zu Daniel Frahn, der aus fünf Metern jedoch nur Torwart Norman Teichmann anschoss.
Der ZFC-Keeper geriet anschließend in den Mittelpunkt: Er reagierte glänzend bei einem Kopfball von Tomasz Wisio (65.) und parierte auch die Schüsse von Roman Wallner (76., 82.) und Tom Geißler (80.). „Dafür steht der Torwart dort: Damit er auch mal einen hält“, kommentierte Teichmann seine Leistung mit einem Grinsen.
Meuselwitz lauerte auf seine Konterchancen. Meist spielten die Gäste diese jedoch eher kläglich zu Ende, so dass RB weiter im Spiel blieb. Bei einem strittigen Zweikampf kam Wallner zehn Minuten vor Schluss im Strafraum der Meuselwitzer zu Fall. Die meisten Zuschauer forderten Elfmeter, doch der Unparteiische winkte ab. In einer hektischen Schlussphase hatte der ZFC das zweite Tor auf dem Fuß. Borel parierte. Auf der anderen Seite konnte das Gästeteam alle Angriffbemühungen von RB abwehren.
„Wir wollten die sein, die den Aufstieg selbst in der Hand haben“, bedauerte Frahn den Verlust der Tabellenführung. Durch den 3:0-Heimsieg des Halleschen FC gegen Magdeburg liegt Leipzig nun mit einem Punkt Rückstand und einem Spiel mehr auf Platz zwei. Thiago Rockenbach sagte: „Jetzt müssen wir hoffen, dass Halle auch mal verliert. Dann müssen wir da sein.“
Hoffen dürfen die Leipziger dabei ausgerechnet auf den Gegner vom Mittwoch: ZFC-Trainer Holm Pinder sagte: „Ich will mit meinem Sohn auch irgendwann höherklassigen Fußball in der Region sehen – und wir können dabei helfen.“ Auch Kiel und Halle spielen noch gegen Meuselwitz.
Tor: 0:1 Weis (3.)
RB Leipzig: Borel - Hoffmann, Sebastian (Kammlott, 71.), Franke, Wisio (Hoheneder, 84.), Ernst, Rost (Geißler, 58.), Heidinger, Rockenbach, Wallner, Frahn
ZFC Meuselwitz: Teichmann - Müller, Kotowski, Latowski, Gasch (Kind, 85.), Weis (Lehmann, 78.), Riese, Ferl, Böhme, Rudolph (Weinert, 66.), Luck
Gelbe Karten: Ernst (25.), Hoheneder (85.) - Kotowski (34.), Riese (86.), Luck (87.)
Zuschauer: 5524
Schiedsrichter: Robert Hartmann (Wangen)