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Buchstadt Leipzig

Buchstadt Leipzig - Teil 4: Die sozialistische Buchstadt

In der DDR wurde stets nur positiv über die Buchstadt berichtet, hier das „Buch" im Festumzug zur 800-Jahr-Feier der Stadt.   Foto: Sax Verlag In der DDR wurde stets nur positiv über die Buchstadt berichtet, hier das „Buch" im Festumzug zur 800-Jahr-Feier der Stadt.
Der Begriff Buchstadt Leipzig ist überaus schillernd. Vor und während der Leipziger Buchmesse wird besonders häufig danach gefragt, was sich dahinter verbirgt? Unser Autor Thomas Keiderling hat sich in seinem Buch „Aufstieg und Niedergang der Buchstadt Leipzig" (Sax Verlag, 2012) mit dieser Frage befasst und gelangt zu neuen Antworten. Teil 4: Die sozialistische Buchstadt.

Als die Amerikaner Leipzig im April 1945 befreiten, wussten sie, dass sie nur kurze Zeit bleiben würden. Denn die von den Alliierten beschlossene Nachkriegsordnung sah vor, dass die Stadt künftig in der sowjetischen Besatzungszone liegen würde. Man wollte den Sowjets aber nicht alles überlassen, und so traf ein Geheimkommando der US-Armee ein, um mehrere führende und durch die NS-Zeit wenig belastete Buchhändler in den Westen abzuwerben. Am 12. Juni stellte die US-Armee gleich einen ganzen Bus, um die Inhaber und leitenden Angestellte der Leipziger Firmen Brockhaus, Dieterichs, Fleischer, Thieme sowie Insel-Verlag nach Wiesbaden zu bringen, der Musikverlag Breitkopf & Härtel folgte wenig später nach.

Es sollte ein deutliches Signal an alle anderen Buchunternehmer in Leipzig sein. Und es wurde verstanden. Ein breiter Strom der Abwanderung setzte ein. Nicht nur Inhaber und Prokuristen gingen in den Westen, sondern auch bewährte Fachkräfte. Verleger hatten wertvolle Autoren- und Lizenzverträge im Gepäck. Bis 1951 verlor Leipzig 364 Verlage mit einer geschätzten jährlichen Produktion von knapp 4000 Titeln – der größte belegte Exodus einer Verlags- und Druckstadt in der Geschichte.

zum Thema Teil 5: Was bleibt? Teil 3: Die NS-Buchstadt Teil 2: Die Geburt der eigentlichen Buchstadt Teil 1: Der Gründungsmythos alle Teile der Serie "Buchstadt Leipzig"
Mit dem, was blieb, erfolgte der Aufbau einer sozialistischen Buchstadt. Ein effizientes Zensursystem überwachte die Literaturproduktion. Die Zahl der Buchunternehmen schrumpfte enorm auf nur knapp 40 Verlage; fast alle waren sie staats- oder parteieigen. Im Bereich des Buchdrucks wurden aus vielen enteigneten Kleinbetrieben sogenannte Kombinate geformt, etwa die Offizin Andersen Nexö mit 1000 Beschäftigten oder der Graphische Großbetrieb Interdruck mit über 3000 Mitarbeitern. Im Bereich des Zwischenbuchhandels profitierte der 1946 etablierte Leipziger Kommissions- und Großbuchhandel (LKG) besonders von den Entwicklungen. Angesichts der schwierigen Nachkriegsentwicklung konnten die Leipziger allerdings auch stolz darauf sein, was hier wieder entstanden war: Verlagen wie Reclam oder den volkseigenen Betrieben Brockhaus und Bibliographisches Institut wurden die Bücher geradezu aus den Händen gerissen. Seit 1946 war die Leipziger Buchmesse eine wichtige internationale Begegnungsstätte. Und auch auf dem Gebiet der Buchkunst machte Leipzig wieder von sich Reden.

Hinsichtlich der zentralen logistischen Vermittlungsfunktion, die ja den eigentlichen Kern der Buchstadt Leipzig ausmachte, gab es eine Sonderentwicklung. Zunächst hatte man die Bestell- und Auslieferungseinrichtungen wieder eröffnet. Allerdings ging in einer politischen Reform von 1952 der übermächtig gewordene LKG zur direkten Belieferung der Buchhandlungen über. Geschlossen wurden die Buch-Bestellanstalt, Paket-Austauschstelle und der Verlegerinkassodienst, die bislang vielen kleineren und mittleren Betrieben gleichberechtigt offenstanden. Für die meisten kleineren Kommissionäre war ein Weitermachen nicht mehr möglich. Mit diesem Schritt wurde der „Leipziger Platz" einfach abgeschafft, der über 150 Jahre erfolgreich praktiziert hatte.

Leipzig war seit dem nur noch – aber immerhin – nach Berlin die zweitbedeutendste Verlags- und Druckstadt sowie die führende Buchmessestadt der DDR. Streng genommen wäre es an der Zeit gewesen, den Titel „Buchstadt" für immer abzulegen. Doch daran dachte niemand. Vielmehr bemühten sich die staatlichen Organe und die Branche, den überkommenen Begriff mit einem neuen, nämlich sozialistischen Sinn auszufüllen. In jenen Jahren entstand ein propagandistisches Bild von der Buchstadt Leipzig, das sich zum Teil bis heute in den Köpfen vieler festgesetzt hat.

Kennzeichnend für dieses Bild waren Überhöhungen und Beschönigungen des Tatsächlichen. Probleme hingegen wurden weitgehend ausgeblendet. Man sprach einfach nicht darüber. So firmierten trotz großer Bucherfolge viele Leipziger Verlage in fast ruinösen Bauten, die über die Stadt verstreut lagen. Obwohl sie als volkseigene Betriebe Umsätze und sogar Devisen in Millionenhöhe erwirtschafteten, wurden am Jahresende fast alle Gelder an den Staat abgeführt. Für die Dachreparatur blieb da nichts übrig.

Beispielgebend für die ökonomische Entwicklung in der DDR war auch der Leipziger Buchlogistiker LKG. Nachdem er 1952 zum Monopolisten geworden war, konnte er die Vorteile seiner Alleinherrschaft ausnutzen. Es wurden viele Rationalisierungen umgesetzt, 1961 etwa eine Lochkartenanlage für die Datenverarbeitung in Betrieb genommen. Dann aber ging es stetig bergab. Immer mehr Aufgaben sollte er übernehmen, bekam aber nicht die dafür notwendigen technischen und finanziellen Mittel.

Mitte der 80er Jahre stand der LKG fast vor dem Zusammenbruch. Es war ein Politikum und eine Blamage, als 1989 in den „Leipziger Blättern" ein erstmals kritischer Artikel erschien, aus dem die Misere hervorging. Der Logistiker hatte Probleme, die Bücher rasch auszuliefern. Verlagsfrische Ware wurde, weil Lagerhallen fehlten, einfach im Freien unter Planen abgestellt. Der LKG in diesem Zustand war eine Negativpause all dessen, was man früher unter der fehlerfrei arbeitenden Buchstadt Leipzig verstand.

Mittlerweile war die DDR auch politisch am Ende. Die Demonstrationen auf den Straßen Leipzigs und im ganzen Land nahmen zu. Niemand in den Buchhäusern ahnte, welch radikale Änderungen auch der Verlags- und Druck-stadt Leipzig nun bevorstanden.
 
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