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„Ach, Sie sind mein Rafael“ - Michael Triegel malt den Papst und traf ihn in Rom
Thomas Mayer
Leipzig/Rom. Michael Triegel malt im Auftrag des Bistums Regensburg Papst Benedikt XVI. Jetzt war der Künstler Gast der Generalaudienz im Vatikan und konnte sich ein dreideimensionales Bild von ihm machen.
Der Nicht-Christ Triegel ist beeindruckt. Eine Sinti-Roma-Kapelle musiziert, aus aller Herren Länder ist singendes Christenvolk vor Ort. „Große Freude ist hörbar und sichtbar“, erfährt Triegel - und stellt bedauernd fest, dass er ja eigentlich gar nicht dazu gehört. Der Künstler aus Leipzig, der skizzieren und fotografieren kann, gehört bestens platziert zu jenem Hand verlesenen Publikum, das nach der Audienz persönlich zum Papst gerufen wird. „Ach, Sie sind mein Raffael“, sagt Benedikt. Zwei Minuten sprechen Maler und Modell, das allerdings nicht Modell sitzen wird, miteinander. Ungewöhnlich viel Zeit nimmt sich Benedikt für den Gast aus Leipzig. Und für den vergeht die Zeit „wie im Rausch“.
Triegel geht nach draußen, „nein“, erinnert er sich, „raus geschwebt bin ich“, seine Porträtskizzen unterm Arm und die Benedikt-Fotos auf der Speicherkarte. Diese wenigen Bild-Eindrücke müssen reichen, um das Papst-Porträt zu malen. Ein Foto, das ein Anderer machte, ist Triegel nicht genug: „Ich brauche den dreidimensionalen Eindruck. Insofern war dieser Besuch in Rom ganz wichtig.“
Die besondere Bildgeschichte begann vor anderthalb Jahren in Würzburg. Der Leipziger stellte anlässlich seines 40. Geburtstages aus. Bei einem der Rundgänge durch die Schau wurde er von Hermann Reidel, dem Leiter des Diözesanmuseums Regensburg, angesprochen, ob er sich vorstellen könne, den Papst zu malen. „Na klar“, sagte Triegel unerschrocken. Regensburgs Bischof Gerhard Ludwig Müller stimmte zu - und ließ sich wohl auch zur Probe von Triegel für die Bistumsgalerie porträtieren.
Nun also Benedikt. Der Künstler spricht von einem außergewöhnlichen Menschen, der mit seinen über 80 Jahren sehr gut aussieht, besonders markant seine Augen, die von großer Neugier zeugen. Der Porträtist hat auch Vorstellungen darüber gewinnen können, wie er Haut, Haare und Hände zu malen hat. In den nächsten Tagen beginnt Triegel in seinem Atelier mit dem Schaffensprozess. Das Bild wird 1,20 Meter hoch sein und den Papst kniehoch zeigen, es entsteht in altmeisterlicher Mischtechnik. Noch in diesem Jahr wird es fertig. „Später Sommer“, stellt sich der Maler als Limit.
Eine zeitliche Vorgabe gibt es seitens des Auftraggebers so wenig wie man dem Künstler Vorschriften macht, wie er den Heiligen Vater darzustellen hat. Triegel: „Ich arbeite zwar für einen Auftrag, ich bin aber kein Auftragsmaler. Der Papst entsteht so, wie ich ihn sehe und wie ich die Menschen male. Da gelten für mich beim Porträtieren des Papstes, eines römischen Straßenjungen oder bei meiner Frau die gleichen Maßstäbe.“ Das Honorar sei angemessen, es sei nicht mehr und nicht weniger als üblich. Triegel denkt wohl eh nicht zuerst ans Pekuniäre, sondern an seine Kunst. Für einen Perfektionisten wie ihn steht auch nicht wie für manch anderen im Mainstream schwimmenden Kollegen die Karriere im Mittelpunkt, sondern sein Werk. Und das wird mit dem Porträt von Benedikt einen weiteren herausragenden Eintrag erfahren.
Dass der Papst über das Entstehen seines Bildes informiert sein will, ist auch nicht vereinbart. Es könne aber schon sein, dass doch mal ein fotografischer Zustandsbericht gen Vatikan gesandt wird. Das fertige Bild soll die Öffentlichkeit erst im Bistum Regensburg zu Gesicht bekommen. Dort wird es das Vestibül des nach Benedikt benannten Instituts, das dessen Schriften herausgibt, zieren.
Michael Triegel hat schon manches Porträt geschaffen. Meist, sagt er, waren die, die abgebildet wurden, auch zufrieden damit. Nur einmal habe der Gemalte fürchterlich geheult: „Das bin ich doch nicht ...“ Im Fall von Benedikt schließt er so eine Reaktion aus: „Seine Worte ,Ach, Sie sind mein Raffael’ werden mich beim Malen begleiten.“ Klingt fast so, als würde Triegel doch noch gläubig.
© LVZ-Online, 09.03.2010, 12:22 Uhr