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Jagdszenen aus Bagdad: fiebriger Thriller um Suche nach Massenvernichtungswaffen
Norbert Wehrstedt
Leipzig. Ein Mann sieht nichts. Der Mann kann auch nichts sehen. Es ist gar nichts da. Massenvernichtungswaffen im Irak waren eine reine Erfindung für den Einmarsch zum Saddam-Sturz. Davon hört Officer Roy Miller zwar, doch glauben kann er es nicht. Nur: Der Augenschein zeigt es. Wo er mit seiner Truppe auch hingeschickt wird, es gibt nichts zu enttarnen. Nur angeschlagene Kloschüsseln oder verrostete Fahrgestelle liegen herum. Das frustriert Miller.
Da taucht eines Tages der Iraki Freddy auf. Zufällig hat er gesehen, wie sich ehemalige hohe Baath-Partei-Mitglieder in einer Villa treffen, auch der gesuchte General Al-Rawi. Der entkommt, den einzigen Gefangenen holt sich sofort eine Spezialeinheit der Regierung - und Miller gerät an einen bulligen CIA-Agenten mit zynisch-realem Blick und eine Reporterin, die dem erfundenen Kriegsgrund hinterher recherchiert. So jagt Miller den untergetauchten General Al-Rawi und wird selbst zum Gejagten der Spezialtruppe. Denn reden über ein Vor-Kriegs-Treffen in Damaskus, das darf Al-Rawi auf gar keinen Fall.
Ein klassischer Fall von Aufklärungs-Kino, gedreht mit einer fiebrigen Kamera, die nicht fotografiert, sondern feuert. Die atemschwer durch die Gassen rennt, die hektisch hin- und herblickt, die immer im Anschlag ist. Regisseur Paul Greengrass hat die Suche nach der Lüge hinter dem Einmarsch semidokumentar inszeniert. Im hautnahen Als-ob-man-dabei-wäre-Stil. Daraus kommt die Wirkung von „Green Zone“.
Ein Kriegs-Thriller, der mit einer durchaus bekannten Tatsache und mit einer den Soldaten unbekannten Situation der ständigen Bedrohung spielt. Darin liegt sein Reiz. „Green Zone“ ist endlich mal wieder Actionkino, das nicht nur exzellent visualisiert wurde, sondern auch noch spannend ist. Weil da durchaus nicht immer klar ist, wer welches Spiel treibt und wie welche brenzlige Situation ausgeht. Die Kamera scheint an den Uniformen festgeklebt zu sein. So dicht ist sie immer dabei. Ein schweißtreibendes Jagen, das schon den Puls beschleunigen kann.
„Green Zone“ ist ästhetisch genauso klein geschnitzelt wie die „Bourne“-Thriller von Paul Greengrass. Aber während es in „Bourne“ alberne Angeberei ist, macht es in „Green Zone“ wirklich Sinn - bis in den letzten Rissschwenk. „Green Zone“ taucht ein in die Atmosphäre der Ungewissheit und Unsicherheit in Bagdad, reizt das Genre aus und vergisst darüber völlig jede Belehrung. Paul Greengrass hetzt seine Erzählung nur immer weiter und weiter. Im Zentrum des Orkans an Bildern, Beteuerungen und Betrug: Matt Damon als Officer Miller, ein Soldat, der an seinen Auftrag glaubt und zunehmend die Welt nicht mehr versteht. Der verwirrt ist. Der wissen will. Der den Weg zu Al-Rawi sucht. Ein Abtrünniger, der im Fadenkreuz der Spezialeinheit agiert. „Green Zone“ ist Vollblut-Kino. Wer da rummosert, dass da nur längst gefallene Tore eingerannt werden, hat wenig vom Kino begriffen.
"Green Zone", USA 2009, 115 Min, FSK 16, von Paul Greengrass, mit Matt Damon, Amy Ryan, Greg Kinnear, Jason Isaacs, Brendan Gleeson Der Film startet am 18. März in den Leipziger Kinos. Wann und wo er genau läuft, weiß unser
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© LVZ-Online, 18.03.2010, 10:13 Uhr