Leipzig. Es gibt in jedem Museum einen Raum, der besonders viele Besucher anzieht: das WC. Der Künstler Steffen Cyrus nutzt das, indem er seine Werke genau dort aufhängt – ohne Wissen der Museen. Mehrere Museumstoiletten hat er bei seiner Tour „Die hohen Hallen und ihre Örtchen“ schon als Ausstellungsraum verwendet. Unter anderem im Museum Ludwig Köln und in der Pinakothek der Moderne in München. Am 12. August macht er Zwischenstation in Leipzig und stellt im Museum der bildenden Künste aus: ein Bild auf der Damentoilette, ein anderes bei den Herren.
Für Steffen Cyrus ist die Aktion ein Weg, um auf seine Werke aufmerksam zu machen. „Ich habe mir überlegt, wie ich in den großen Museen unbemerkt meine Bilder aufhängen kann. Die Toilette bot sich da sehr gut an. Einerseits, weil es dort keine Kameraüberwachung gibt und andererseits wegen der leeren, ungenutzten Wände.“
Cyrus ist nicht der Einzige, der diesen Weg wählt, um seine Kunst ins Museum zu bringen. Auch der britische Streetart-Künstler Banksy schmuggelte seine Bilder in verschiedene Kunsthäuser und hängte sie zwischen die ausgestellten Werke. „Ich bin ein großer Fan von Banksy, aber mein Konzept ist anders. Ich nutze die Toilette, da ich die Ausstellungsidee des Kurators nicht stören will“, sagt Cyrus.
Mit der Wahl des Ausstellungsörtchens möchte der Künstler die Besucher überraschen und irritieren. Indem er den Vorraum der Toiletten nutzt, erweitert er den herkömmlichen Museumsraum. Laut Cyrus zeigte sich Prof. Kai Uwe Schierz von der Kunsthalle Erfurt von dieser Idee angetan. Nach Angaben des 28-Jährigen äußerte sich Schierz wie folgt: „Steffen Cyrus will als Künstler wahrgenommen werden und in zehn Museen vertreten sein, wo sonst nur etablierte Künstler ihren Auftritt haben. Seine Arbeiten möchte er jeweils im Waschraum ausstellen, einem Ort des kunstfernen Transits, dem sich zugleich viele Museumsbesucher nicht entziehen können.“
Dr. Hans-Werner Schmidt, Direktor des Museums der bildenden Künste in Leipzig, hat von Cyrus’ Vorhaben bereits Wind bekommen und sieht der Aktion gelassen entgegen: „Ich schätze seinen Lehrer, den verstorbenen Walter Obholzer, sehr. Wenn er in seinem Geist ein Werk hinterlässt, dann soll es so sein.“
Ungewöhnlich ist an dem Projekt nicht nur der Ort, sondern auch die Tatsache, dass es sich um Kunst zum Mitnehmen handelt. Sofern das Museum die Schenkung noch nicht angenommen hat, kann der erste interessierte Besucher das Bild mit nach Hause nehmen. Einzige erwünschte Gegenleistung: ein Foto des Werks in seiner neuen Umgebung, das der neue Besitzer per
E-Mail
an den Künstler schickt. Mit den zurückgeschickten Fotos plant Cyrus ein weiteres Kunstprojekt.