Leipzig. Am Anfang stand der Zufall, dann wurde er Arbeit, jetzt ist er eine neue Leidenschaft und nennt sich
Arture
. Als der Leipziger Theaterwissenschaftler Ingo Jonas sich vor ein paar Jahren zwar daran erinnerte, wie ein engagierter Bühnenkollege heißt, allerdings nicht mehr daran, wo er seine Telefonnummer hatte, war er erst einmal wenig begeistert. Von der zündenden Idee, die sich daraus ergab, aber umso mehr: Eine Internetplattform für Kunstschaffende, -produzierende und -liebende. Dazu holte er Falk Fiedler ins Boot. Er gibt der Seite programmiertechnisch und grafisch ein Gesicht.
Die Homepage sollte vor allem vom Austausch zwischen Schauspieler, Spielstätte und Publikum leben. Ein bisschen ist sie so, wie das Schwarze Brett in der Künstlergarderobe. Wer wissen will, was gerade Regisseur XY macht, wo zurzeit ein Schillerstück auf dem Spielplan steht und wie oft Elfriede Jelinek aufgeführt wurde, wird hier fündig. Sowohl Institutionen als auch Maler und Schauspieler können sich auf Arture kostenlos ein Profil anlegen und sich im Netz präsentieren. Wer mehr Speicherplatz möchte, um sich mit Fotos und Videos zu präsentieren, zahlt eine monatliche Gebühr. Zusätzlich kann jeder Nachrichten eintragen, wo gerade was stattfindet, auf Wettbewerbe hinweisen oder bekannt geben, dass er in seiner Kneipe gerne Bilder ausstellen würde. Dazu gibt es zahlreiche Rezensionen.
„Arture ist ein Werkzeug, um miteinander in Kommunikation zu treten. Und wir möchten reflektierte Texte präsentieren, aus denen eine klare Meinung hervorgeht. Wer die Kritiken liest, soll danach umfassend informiert sein“, sagt Jonas. Einerseits soll sich so die Kunstszene vernetzen können, andererseits soll dieser Kontakt auch zwischen Bühne und Zuschauerraum passieren. Nicht umsonst ist Arture ein Wortspiel aus Art und Culture.
Auch für Wissenschaftler und Journalisten soll Arture eine Unterstützung sein. „Statt tagelang zu googeln und dann doch nicht alles herausgefunden zu haben, in welchen Produktionen beispielsweise ein Schauspieler schon überall mitgewirkt hat oder in welchen Theaterhäusern besonders oft ein bestimmter Autor gespielt wird, lässt sich hier einfach herausfinden“, so Jonas. Denn Arture verzeichnet Premieren und Ausstellungseröffnungen mit allen Mitwirkenden. Mit dem Start der Seite im September 2009 sind mehr als 2000 Kulturinstitutionen aus aller Welt zu finden, die im deutschsprachigen Raum ausstellen, an einer Premiere oder einem Festival mitwirken. An mehr als 10000 Produktionen sind 40000 Künstler mit ihren Ideen und ihrem Können beteiligt. Wer dann mehr über den jeweiligen Künstler oder die Galerie, Spielstätte, den Verlag erfahren möchte, weiß mit einem Klick aufs Profil besser Bescheid. Auf diesen werden meist Videos und Fotos präsentiert. Auch Kooperationspartner oder Sponsoren können gefunden werden. So hat die Sucherei ein Ende, der Ausbau des Portals aber noch lange nicht. „Kunst findet überall statt, es geht uns nicht um die Bühnen, auf denen nur bereits bekannte Schauspieler stehen. Alle Kreativen der bildenden Künste sind hier willkommen. Malerei und Theater sind lokal, aber diesen Ort muss man finden. Deshalb machen wir ihn im Netz global.„Magdalena Fröhlich
Internet:
www.arture.eu