Leipzig. Von den Literaturstars Martin Walser und Rafik Schami über die politischen Querdenker Henryk M. Broder und Peter Nádas bis hin zum Olsenbanden-Mitglied Benny reicht das diesjährige Angebot des Literaturfestes „Leipzig liest“. Insgesamt 2780 Autoren werden vom 15. bis 18. März parallel zur Buchmesse ihre aktuellen Werke in der Messestadt vorstellen oder sich zu Biografien befragen lassen – und das an 350 verschiedenen Orten.
„Wir haben ein wirklich kurioses Programm zusammengestellt, das frisch, überraschend, prominent und unterhaltsam ist“, freute sich Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, bei der Vorstellung der Pläne am Donnerstag. Im Vergleich zum ohnehin schon umfangreichen Programm in den Vorjahren sei das Angebot sogar noch größer geworden: „Die Buchmesse wächst, also wächst auch ‚Leipzig liest’“, erklärte Zille und wollte anschließend eigentlich nur ein paar Höhepunkte des dreitägigen Marathons herausheben. Angesichts der Fülle an Glanzlichtern geriet aber auch das zur minutenlangen Namen-Stafette.
Neben schon genannten werden unter anderem die Belletristikstars Friedrich Christian Delius, Christoph Hein, Rolf Hochmuth, Thomas Brussig, Thea Dorn, Uwe Tellkamp und Eugen Ruge an einer Leipziger Leselampe Platz nehmen. Dazu gesellen sich jüngere Vertreter wie Franzsika Gerstenberg, Benjamin Lebert, Vladimir Kaminer oder Felicitas Hoppe. Zwar nichts Fiktives, dafür aus dem Nähkästchen werden André Heller, Morton Grunwald – besser bekannt als eben jenes Olsenbanden-Mitglied Benny, Heiner Geißler, Egon Bahr und Hans Dietrich Genscher berichten.
Die Schauspieler Axel Prahl, Christiane Paul und Ulrich Noethen rezitieren fremde Texte, Frido Mann, Paul Nolte, Norbert Töpfer und Ranga Yogeshwar dagegen aus ihren Sachbüchern. Nur Christian Kracht wird dieses Jahr wohl nicht lesen. Der Schweizer Schriftsteller habe sein Kommen nach dem aktuellen Wirbel um seinen angeblich von „rassistischer Weltsicht“ geprägten neuen Roman abgesagt, hieß es am Donnerstag.
Neben der Anteilnahme am Schaffen der deutschsprachigen Autorschaft bietet die 21. Auflage von „Leipzig liest“ auch wieder einen Blick über den Tellerrand hinaus. „Gut zehn Prozent der Autoren kommen aus dem Ausland“, erklärte Buchmessechef Zille. Der Fokus des Fernrohrs liege dabei erneut auf Osteuropa. Allein 50 Schriftsteller reisen vom Balkan nach Leipzig, wie beispielsweise die Kroatin Ivana Bodrozic, der Serbe Bora Ćosić oder der Montenegriner Mirko Kovač. Ein weiterer Schwerpunkt sei die populäre nordeuropäischen Krimiliteratur, sagte Zille. Diese werde wieder vor allem bei der „Nordischen Literaturnacht“ in der naTo präsentiert.
Neu im Reigen der 350 Veranstaltungsorte sind in diesem Jahr das Clownsmuseum in Reudnitz, die Tropenhalle Gondwanaland im Leipziger Zoo, eine Jugendstilvilla in Stötteritz, ein Fischladen auf der Jahnallee, die Galerie Delikatessenhaus, das Café Plan B, das Tapetenwerk und die beiden erst kürzlich eröffneten Buchläden Kapitaldruck und Drift. Dem Reiz des Neuen gegenüber steht der mit Prominenz nur so gespickte Dauerbrenner auf der Buchmesse selbst: die Autorenarena der Leipziger Volkszeitung. Im halbstündigen Takt werden sich hier Promis, Autoren und Society-Sternchen aller Couleur dem Publikum erklären.
„Praktisch wird man hier wieder nahezu jeden Promi, der auf der Buchmesse ist, antreffen können“, sagte Programmgestalter Armin Görtz am Donnerstag. Ob Dirk Zöllner, Wladimir Kaminer, Gunter Böhnke, Hans-Dietrich Genscher, Henryk M. Broder, Gerhard Schöne, Axel Prahl, Roger Willemsen, John Hart, Ute Freudenberg oder André Heller – das Spektrum ist weit gefächert. „Bei uns gibt es keine Schubladen für Literaten und Nicht-Literaten“, sagte Görtz. LVZ-Online wird in gewohnter Weise die Talkrunden aufzeichnen und bereits
kurz nach ihrem Ende als Video-Podcast in voller Länge den Web-Usern zur Verfügung stellen.
Apropos: Natürlich spielt die Buchmesse auch in den sozialen Netzwerken ein große Rollen. LVZ-Online entwickelt mit dem neuen Portal "Leipzig Vernetzt" einen thematisch unterteilten Wegweiser durch die Messestadt. Deshalb suchen wir Ihre Linktipps zu lesenswerten Blogs sowie Leipziger Verlagen, Literaturclubs Autoren oder literarisch gesinnten Vereinen auf Facebook, Twitter oder Google+. Wer ist besonders aktiv im Social Web? Welche Hashtags sind für "Das literarische Leipzig" relevant?
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