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Mixtape eines Aufbruchs - Sascha Langes "Das wird mein Jahr"
Janina Fleischer
Foto: PR
Sascha Lange und das Cover zu seinem zweiten Roman "Das wird mein Jahr" (Aufbau Verlag)
Friedemann Blumenstrauß heißt wirklich so. Zumindest in der Realität des Romans „Das wird mein Jahr“ von Sascha Lange. Der Leipziger Autor, Jahrgang ’71, verlegt sich nach der Autobiographie „DJ Westradio“ (2007) aufs Fiktive. Erzählen kann er, der promovierte Historiker. Mit viel Sympathie für die Figuren und einem Händchen für Komik beschreibt er auf dem Verarbeitungsstand von heute Lebenslagen der Vergangenheit. Die beginnt im Sommer 1989 und endet Silvester 1990/91. Da kommt um Ungarn, Flucht und Montagsdemo nicht herum, wer seine Helden von Leipzig nach Stuttgart schickt.
Vor den historischen Hintergrundgeräuschen spielt Lange den fetten Sound einer Teenager-Liebe, die Auslöser und Ziel der Reise ist, allerdings die meiste Zeit vor allem Sehnsucht bleibt. Friedemann, 18 Jahre alt, Gärtnerlehrling, hat sich zwischen Samstags-Disco und Balaton in Anke verliebt. Ihretwegen flieht er nicht mit dem besten Freund Andi über die grüne Grenze.
Als von jetzt auf gleich Anke verschwindet und dann auch noch die Einberufung zur NVA im Briefkasten liegt, hält ihn nichts mehr. Einen Tag nach dem Mauerfall lenkt er seinen Wartburg Richtung Stuttgart, zu Andi, den die westdeutsche Realität bereits geerdet hat. Friedemann entdeckt sie in Esslingen. Dort kommt er in einer Gärtnerei unter und hin und wieder bei der älteren, verheirateten Elisabeth. Ansonsten bleibt die Fremde fremd. „Du bist hier einer von Vielen“, sagt er zu Döner-Ali, „aber als Zoni bin ich nur ein einsamer Gärtner, der einen komischen Dialekt spricht.“
Einige Volten und Erfahrungen später, die ihn mit Hanf-Anbau wie auch -Konsum vertraut machen, rollt sein roter VW-Campingbus Richtung Berlin. Wieder ist es eine Flucht, diesmal vor der Polizei, doch führt sie in ein Leben, das er als Perspektive empfinden kann: in Freiheit unter Hausbesetzern - eine ganze Heimat, nicht zwei halbe. Zwar kommt wieder alles anders, doch immerhin das Glück dazu.
Begleitet, angetrieben und getröstet wird Friedemann von seinen Lieblingsbands. So fügen sich die 19 Kapitel, mit Songtiteln überschrieben, zum Soundtrack eines Aufbruchs. Man könnte auch sagen, Sascha Lange hat ein Mixtape geschrieben, das sich entspannt durchhören lässt, zu dem man träumen kann oder tanzen.
© LVZ-Online, 10.03.2011, 12:11 Uhr