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Musical "Der Graf von Monte Christo" feiert deutsche Erstaufführung an der Leipziger MuKo
Interview: Rolf Richter
Foto: Volkmar Heinz
Das Musical "Der Graf von Monte Christo" ist ab 4. Februar in der Leipziger MuKo zu sehen.
Leipzig. Nachdem Alexandre Dumas' Roman-Helden seit Jahrzehnten auf Bildschirm und Leinwand reüssieren, erobern sie jetzt die Musicalbühnen: Nach den "3 Musketieren" singt nun auch der Graf von Monte Christo. Cusch Jung inszeniert Frank Wildhorns Adaption in der Musikalischen Komödie in Leipzig. Vor der Premiere am Samstag sprach Rolf Richter mit dem Berliner Regisseur.
Frage: Wie kam es zum erneuten Leipzig-Gastspiel?
Cusch Jung: Meine Inszenierung von "Jekyll & Hyde", so sagte man mir, sei ein großer Erfolg gewesen. Viele ausverkaufte Vorstellungen. Und so konnte ich, als man mir anbot, Wildhorns "Graf von Monte Christo" als deutsche Erstaufführung zu inszenieren, nicht nein sagen.
Ist Jekyll nicht publikumswirksamer als der Graf?
Natürlich ist Jekyll und Hyde packender, weil gespaltene Persönlichkeitsstrukturen dargestellt werden. Beim Grafen geht es um Gerechtigkeit und um Rache, die durch die Habgier derer ausgelöst wird, die Edmond Dantès ins Gefängnis gebracht haben. Sie provozieren ihr Verderben selbst. Ist doch auch eine interessante Variante.
Sie mögen das Stück?
Mittlerweile mag ich das Stück sehr. Zuneigung entsteht im Findungsprozess.
Musikalisch bleiben aber doch wohl Wünsche offen?
Frank Wildhorn sind sehr eingängige Melodien eingefallen. Man kann durchaus von Ohrwürmern sprechen, die sich schon beim ersten Hören einprägen. Man kennt ihn mit seinen Balladen, die er gut komponiert und die immer ein wenig in Richtung Whitney Houston tendieren. Es hört sich musikalisch sehr spannend an und ist von Koen Schoots arrangiert und von Kim Scharnberg vom Feinsten orchestriert.
Wie finden Sie das Orchester der Musikalischen Komödie?
Am Broadway strampeln sich 12 Musiker ab, um ein großes Orchester zu suggerieren. In der Musikalischen Komödie haben wir ein 30-Mann-Orchester, und was es unter Stefan Diederichs Leitung leistet, das ist schon toll. Ursprünglich wollte ja Wildhorn zur Premiere kommen. Aber da er gerade "Jekyll & Hyde" für den Broadway vorbereitet, musste er seinen Leipzig-Besuch verschieben.
Über Leipzigs Musikalischer Komödie hing wieder einmal das Damokles-Schwert der Schließung ...
Ich fände das für die Leipziger Kultur eine Schande, wenn man das Haus abwickelt. Es hat sich etabliert, ist auch außerhalb der Stadt geschätzt. Es gibt einen treuen und großen Publikumsstamm und ein sehr gutes und williges Ensemble. Es macht Spaß hier zu inszenieren. Die Leipziger werden sich wohl die Augen reiben, was auf dieser Bühne alles möglich ist. Dabei hatten wir keineswegs mehr Mittel zur Verfügung, sondern haben in die Trickkiste gegriffen und wollen beweisen, dass man mit viel Kreativität und Phantasie Theater machen kann, das keine Millionen kostet. Ich bin mir sicher, die Zuschauer werden es honorieren.
Sie sind ein Allround-Talent - was können Sie eigentlich nicht?
Es gibt genug, was ich nicht kann! Manchmal ist das Allround-Talent doch gar nicht gefragt. Wenn sie zu viel können, bekommen sie gar keine Jobs mehr. Man wirft ihnen vor: "Der kann ja von allem ein bisschen". Das geht aber schon mein ganzes Leben so, und ich habe mich dran gewöhnt. Ich synchronisiere, ich drehe fürs Fernsehen - in der "Soko Leipzig" hatte ich zum Beispiel eine schöne Rolle. Und nach den Proben in der MuKo fahre ich an den Wochenenden nach Hamburg, um in "Sister Act" den Bösewicht zu spielen.
Ist das nicht ein bisschen viel?
Ich mache das gern. Ich will schauen, wie man den Beruf ausloten kann. Es macht zufrieden. Deshalb spiele ich auch im "Grafen" den Abbé Faria, um mich den Leipzigern auch auf der Bühne zu zeigen.
Wie kommen Sie mit dem Darsteller des "Grafen" zurecht, der ebenfalls inszeniert?
Wunderbar! Marc Clear, der ja bereits Jekyll & Hyde spielte, und ich, wir ergänzen uns. Wir brauchen uns nur anzugucken und wissen, wie etwas zu spielen ist.
Und Ihre nächsten Pläne?
Bis Ende August bleibe ich der Schurke in "Sister Act" und unterrichte an der Joop van der Ende Academie in Hamburg. Im Herbst und Winter inszeniere ich in St. Gallen mit "Eine Nacht in Venedig" erstmals eine Operette. Und danach bin ich wieder als Paläontologe mit den Dinosauriern unterwegs.
"Der Graf von Monte Christo", Musikalische Komödie, Premiere am 4. Februar, weitere Vorstellung 5.,7.,10.,11.,12.Februar. Bis Ende der Spielzeit 20 Aufführungen. Karten über Tel. (0341) 126 12 61.
© LVZ-Online, 03.02.2012, 20:38 Uhr