Kultur News
Tödliches Kommando – grandioses Drama um Bombenräum-Kommando in Bagdad
Norbert Wehrstedt
Leipzig. Bagdad ist verdrahtet. Bagdad ist verbombt. Unter Schutt und Geröll, im Staub der zerlöcherten Straße, in Kofferräumen abgestellter Autos, überall lauert der Tod. Überall kann einer unter neugierigen Zuschauern mit einem Handy stehen. Ein fester Knopfdruck. Das war`s. Das Leben der drei Männer vom Team Bravo hängt an einem verdammt dünnen Draht. Nicht an jeden Platz kann der kleine Roboter rollen.
Immer wieder steigt Sergeant Thomson in den teuflisch schweren Anzug, stapft durch die Hitze, schwitzt, muss die tückischen, handgefertigten Bomben entschärfen. Eine überlebt er nicht. Zündung vom Straßenrand. Keine Zeit für lange Trauer. Der Neue ist schon da: Sergeant William James. Ein Draufgänger, leichtfertig und zupackend, übermütig und unvorsichtig. Regeln kennt er keine. Er schachert mit dem Tod und spielt mit dem Sterben. Sanborn, der Geheimdienstler, und Eldrige, der Scharfschütze, die ihn sichern sollen, sind entsetzt. Wie kann man mit so einem Spieler überleben?
Was für Bilder! Was für eine Atmosphäre! Was für ein Film! Die Kamera schleicht mit dem Roboter in Straßenhöhe dahin, wischt über verdächtige Menschengruppen, erfasst bröckelnde Fassaden, hockt gefangen im Panzerwagen, eingeengt in den Campzimmern und ist nur befreit, wenn die Männer mal übermütig feiern. Regisseurin Kathryn Bigelow (Blue Steel, Strange Day) feiert das semidokumentare Direct Cinema, den subjektiven Blick, das physische Erzählen. Ein Kino, das dampft vor Schweiß und Realismus. Körperkino, das heftig atmet und erhitzt in Angstsituationen geht.
Foto: dpa
Sergeant Matt Thompson (Guy Pearce) geht im Kinofilm „Tödliches Kommando - The Hurt Locker“ vorsichtigen Schrittes zu einer Bombe, die er entschärfen will.
„Tödliches Kommando“ ist ein Männerdrama, das mit zynischen Sprüchen die Furcht eindämmt und mit Telefonaten nach Hause den inneren Aufruhr besänftigt. Dieses Trio sucht nicht die Gefahr, die Gefahr findet diese Drei vielmehr immer wieder. Einmal steht ein Mann mit verkettetem Sprenggürtel schreiend auf einem Platz. Die Zeit tickt weg. Wer leben will, muss Deckung suchen. James freundet sich mit einem fußballspielenden Jungen an, der DVD-Raubkopien im Camp verkauft, und findet ihn zerfetzt wieder. Er war kein Opfer. In „Tödliches Kommando“ kochen Wut, Ohnmacht – und Fatalismus. Irgendwann beginnt die Gefahr ein Rausch zu werden. Alles so radikal choreografiert, dass einem der Staub auf der Zunge klebt. Wohl der beste US-Film des Jahres!
"Tödliches Kommando - The Hurt Locker", USA 2008, 131 Min, FSK 16, von Kathryn Bigelow, mit Guy Pearce, Ralph Fiennes, Jeremy Renner, Evangeline Lilly. Im
Luru Kino in der Baumwollspinnerei
läuft der Film ab dem 11. März im Original mit Untertiteln. Wann und wo er Film sonst noch läuft, weiß unser
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© LVZ-Online, 10.03.2010, 13:34 Uhr