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„Wonderful World“ - wie Louis Armstrong die DDR bereiste
dpa
Magdeburg. Er war der König des Jazz, seine Klassiker wie „What a Wonderful World“ gehören in jedes Plattenregal. Was viele nicht wissen: Im Frühjahr 1965 ging Louis Armstrong hinter dem Eisernen Vorhang auf Konzertreise durch die DDR, bezauberte Zehntausende Menschen bei 17 umjubelten Konzerten in großen Sport- und Kongresshallen.
Der Magdeburger Journalist Stephan Schulz hat sich auf die Spuren des US-Stars in Ostdeutschland begeben, zwei Jahre in Archiven recherchiert und Zeitzeugen befragt. Sein Buch „What a Wonderful World: Als Louis Armstrong durch den Osten tourte“ stellt er auf der Leipziger Buchmesse vor.
Der Autor beschreibt, wie es der Künstleragentur trotz Devisenmangels gelang, den weltweit umschwärmten Trompeter und Sänger (1901-1971) zur Hoch-Zeit des Kalten Krieges in die DDR zu holen. Oder wie „Satchmo“ nach einer Panne seines Tourbusses im Provinznest Genthin im damaligen Bezirk Magdeburg landete und in einer Kneipe mit dem Wirt ein Bierchen zischte. Oder wie sich die Stasi in Leipzig gegen befürchtete Ausschreitungen jugendlicher Jazz-Fans wappnete - zu denen es nicht kam.
Ob Ost-Berlin, Magdeburg, Erfurt, Leipzig oder Schwerin: Überall konnten die Menschen es zunächst nicht glauben, als sie in der Zeitung von der bevorstehenden Armstrong-Tour lasen. Geduldig reihten sie sich in endlos scheinende Schlangen vor den Vorverkaufsstellen ein, berappten für damalige Zeiten happige Eintrittspreise. Belohnt wurden sie mit einer unvergessenen Show, die selbst stramme Parteigenossen schnell ansteckte: „Satchmo kam, blies und siegte“, jubelte das SED-Organ „Neue Deutschland“ in ungewohnt flapsiger Art.
Stephan Schulz: "What a Wonderful World: Als Louis Armstrong durch den Osten tourte", Verlag Neues Leben, Berlin, 256 Seiten, ISBN 978-3-355-01772-5, 14,95 Euro.
© LVZ-Online, 12.03.2010, 11:58 Uhr