Rückblick 2011
13 Stunden Rock-Beschallung - auf Seeed folgen beim Highfield Thirty Seconds to Mars
Alexander Laboda
Großpösna. Mit ersten Ermüdungserscheinungen und häufig dicken Schädeln hat für die Besucher des Highfield-Festivals der zweite Tag am Störmthaler See begonnen. Bis weit nach Mitternacht hatte die Show der Berliner Dancehall-Spezialisten von Seeed die Hüften der knapp 25.000 Musikfans zum Kreisen gebracht. Bis zu 13 Stunden pausenlose Rock-Beschallung steht am Sonnabend auf dem Programm - unter anderem mit Thirty Seconds to Mars, den Kooks und Skunk Anansie.
Extremes Durchhaltevermögen fordert das Highfield von seinen Besuchern. Dies war vielen Festivalgängern am Freitagabend anzusehen. Viele hingen bereits weit vor Mitternacht ein wenig in den Seilen. In seinen Schlafsack wollte allerdings niemand vorzeitig schlüpfen, lockte zur Geisterstunde doch der erste große Höhepunkt des dreitägigen Ereignisses: Der Auftritt der populären Hauptstadt-Band Seeed. Fazit: Die Gruppe um den auch solo extrem erfolgreichen Peter Fox alias Pierre Baigorry enttäuschte die Erwartungen der Fans nicht, setzte bei allen Zuhörern mit ihrem typischen Bläser-Reggea-Sound die letzten Kräfte frei und verwandelte die Massen vor der Bühne in eine wogendes Menschenmeer.
Auf einem Festival, wo das musikalische Angebot so groß und vielseitig ist wie beim Highfield, gibt es nur wenige Bands, die es schaffen, dass von der ersten bis zur letzten Reihe bereits beim ersten Song alle Zuhörer mit ihre Oberkörpern kreisen oder zumindest mit den Beinen wippen. Seeed ist solch eine Band. Großer verbaler Kommunikation bedurfte es nicht: „Das ist unser erstes Festival in Deutschland seit vier oder fünf Jahren", rief Pierre Baigorry den Fans nach dem vierten Lieder zu. „Ich hoffe, ihr findet‘s genauso geil wie wir." Die Menge antwortete mit Geschrei. Vor allem die Damen bekamen sich kaum ein und ergänzten den Bandnamen bei ihren Rufen in der Mitte noch um einige Vokale.
Mit Spannung darf erwartet werden, ob der Mainact des Sonnabends, Thirty Seconds to Mars um Frontmann und Frauenschwarm Jared Leto, diese Begeisterung noch toppen können. Die Alternative-Rock-Formation aus Los Angelos betritt die Bühne ebenfalls erst um Mitternacht. Aufwärmen können sich die Besucher zuvor bei der britischen Gruppe Skunk Anansie, die vor allem in den 1990er-Jahren weltweite Erfolge feierte sowie bei den auch von der Insel angereisten Kooks, die seit Erscheinen ihres Albums „Inside In/Inside out" im Jahr 2006 zum Standard-Repertoire jeder Indierock-Plattensammlung zählen. Im Verlauf des Tages spielen außerdem unter anderem noch die White Lies (18.10 Uhr), The National (19.25 Uhr) und Interpol (20.45 Uhr).
Bei Temperaturen über 20 Grad und gleißendem Sonnenschein nutzten am Morgen allerdings viele Besucher die Gelegenheit, sich zunächst im Störmthaler See abzukühlen. Immer schön mit den Kräften haushalten, lautet augenscheinlich das Motto vieler Festivaltouristen - nicht zuletzt, damit es mit dem Durchhalten bis zum Sonntagabend klappt.
© LVZ-Online, 20.08.2011, 14:50 Uhr