Rückblick 2011
Verbrannte Brücken - Foo Fighters beschließen Highfield-Festival mit orgiastischem Auftritt
Nina May
Foto: PR Highfield Festival
Großpösna. Es gibt Bands, denen merkt man von der ersten Konzert-Sekunde an, dass sie Vollblutmusiker sind. Sie lassen unnötiges Geschwafel weg, spulen nicht einfach das Programm ab, sondern zelebrieren ihre Musik. Die Foo Fighters, die in der Nacht zum Montag das Highfield Festival beschlossen, sind so eine Band.
„Wir halten uns nicht an langweilige Zeitvorgaben, wir spielen einfach so lange, bis wir keine Songs mehr haben. Und wir haben in den letzten 16 Jahren einige angesammelt“, stellt Frontmann Dave Grohl zu Beginn fest. Mit einem markerschütternden Schrei beginnt er das Konzert, es folgt der erste Titel des neuen Albums, „Bridge Burning“. Und die Foo Fighters spielen tatsächlich so, als wollten sie alle Brücken hinter sich verbrennen, sich ganz der Musik verschreiben. Immer wieder unterbrechen sie die Songs für Gitarren- oder Schlagzeugsoli, diese Intermezzi geben dem Konzert trotz vieler schneller Nummern einen gelassenen Rhythmus.
Während der mehr als zwei Stunden realisiert man erst mal wieder, wie viele Hits die Foo Fighters haben: von „The Pretender“ vom vorletzten Album „Echoes, Silence, Patience & Grace“ über aktuelle Singles wie das leichte „Walk“ oder das treibende „White Limo“ bis zu älteren Titeln wie „Best Of You“ oder „Wheels“. Kaum vorstellbar, dass bei diesem Song nur die Deutschen mitsingen können, wie Grohl meint. Er ahmt nach, wie die Japaner schweigen und in den USA ein einzelner Zuhörer verzweifelt versucht, gegen die Stille anzusingen.
Sänger Grohl wird abgelenkt durch das "Jägermeister-Ding"
Amüsant sind diese ironischen Einsprengsel. Vor allem, wenn sich Grohl wiederholt über das „Jägermeister-Ding“ lustig macht, in dem einige Festivalbesucher hoch über dem Highfield schweben. „Ich wollte eigentlich etwas sehr poetisches und tiefgründiges über den nächsten Song „These Days“ sagen. Aber ich kann nur an dieses Jägermeister-Ding denken, und dass ich jetzt gerne einen hätte. Kommt runter, Leute, dann trinken wir gemeinsam. Aber auf dem Boden.“ These Days sei sein liebster Song, den er ganz schnell geschrieben habe, sagt Grohl. Und tatsächlich ist dieses sanfte Memento Mori („An einem dieser Tage wird dein Herz stoppen und seinen letzten Ton spielen/ An einem dieser Tage werden die Uhren stoppen und Zeit wird nichts mehr bedeuten“) der intensivste Song des aktuellen Albums „Wasting Light“.
Mehr Format als Jared Leto
Grohl spielt diesen Titel beim Highfield ohne Band ganz allein auf der Gitarre, und man muss unwillkürlich noch einmal an den Samstagabend denken: Wie viel mehr Format hat dieser Sänger als der Möchtegern-Rocker Jared Leto von 30 Seconds to Mars. Selbst ein Satz wie „Wir brauchen keine verdammten Computer. Wir spielen einfach auf unseren Instrumenten“, klingt aus Grohls Mund zwar immer noch wie ein Klischee, aber dennoch ehrlich. Das beruhigt Fans, hatte doch der Marketinggag des Zurück-zu-den-Wurzeln beziehungsweise das Zurück-in-die-Garage, in der die Foo Fighters das letzte Album aufnahmen, etwas arg Anbiederndes.
Bandmanager darf zum Geburtstag auf die Bühne
Sympathisch auch, dass dieses Konzert keine Ein-Mann-Schau ist. Grohl holt seinen Manager Guz auf die Bühne, der ihn seit 16 Jahren morgens weckt und an diesem Tag Geburtstag hat. Auch der Schlagzeuger Taylor Hawkins singt einen Song. Mit seiner Anmoderation „Er ist nämlich einer dieser Schlagzeuger, die singen können. Soll es ja geben“, erntet Grohl Gejohle aus dem Publikum. Schließlich gehört der ehemalige Nirvana-Drummer selbst in diese Kategorie. Aus diesen Zeiten stammt auch Gitarrist Pat Smear, der schon 1977 die Punkband The Germs mitgründete, und seit Februar 2011 wieder festes Bandmitglied der Foo Fighters ist.
Applausstürme, obwohl einige Wünsche offen bleiben
Die Musiker beherrschen sowohl die explosiven, orgiastischen Nummern als auch die ruhigen Töne. Am besten sind sie, wenn sie beides kombinieren, wie zum Beispiel bei „Long Road to Ruin“. Und am Ende, als die Musiker unter Applausstürmen die Bühne verlassen – Grohl hatte zuvor erklärt, Zugaben möge er nicht – bleiben doch noch ein paar Wunschtitel ungespielt, zum Beispiel die wunderbaren Balladen „Stranger Things Have Happened“ oder „Statues“. Wären die Brücken doch wirklich verbrannt, und die Foo Fighters noch ein bisschen länger geblieben.
© LVZ-Online, 22.08.2011, 15:51 Uhr