Highfield Festival 2010
Ein Idyll wird beschallt: Das Highfield-Festival startet erstmals am Störmthaler See
Jürgen Kleindienst
Foto: dpa
Vorort-Idylle: Der Störmthaler See wird am Wochenende beim Highfield zum Rockmekka.
Großpösna. Störmthal, gut 700 Jahre alt, gut 500 Einwohner groß, ist ein etwas enges Idyll aus liebevoll sanierten Drei- und Vierseithöfen mit viel Grün und Ruhe. Auf der Durchgangsstraße kann die Begegnung zweier Lkw schon mal zum Problem werden. Dass hier am Freitag die neueste Version der Geschichte vom kleinen Dorf, das Musikfans überfluten, stattfinden könnte, ist bislang nur in Randnotizen sichtbar.
„Exkursionen in Flora und Fauna des Cospudener Sees" oder ein „Kindertrödelmarkt" beim Großpösnaer Rittergutsfest werden auf einer Tafel für Bekanntmachungen angekündigt. Was bald in rund fünf Kilometern Entfernung losgehen wird, versteckt sich links unten: „Fleißige Helfer werden gebraucht." Ein Satz, dem immerhin rund 20 Ausrufezeichen folgen, so als müsse man sich selbst klarmachen, dass es mit der Beschaulichkeit zumindest zwischendurch mal vorbei sein dürfte. Um die Beräumung nach dem Highfield-Festival geht es. Weitere Schatten scheint das Ereignis aber nicht vorauszuwerfen.
„Gut, dass hier mal was los ist. Früher hat der Bagger gequietscht, aber da durfte man ja nichts sagen", sagt Torsten Beyreuther, während seine Kuh auf einer Wiese gegenüber, mitten im Ort grast. Hund und Katze sind in der Nähe unterwegs. „Es gibt immer Leute, die sich aufregen", weiß der Störmthaler. So würden sich manche an der benachbarten Autobahn stören. „Ich finde es praktisch, dass die gleich vor der Tür ist."
Die günstige Verkehrsanbindung ist einer der Gründe, weshalb das Highfield-Festival jetzt in den Leipziger Südraum gezogen ist. Zwölf Jahre war das Indie-Fest am Strausee Hohenfelden, südlich von Erfurt, was – kühn ins Englische übertragen –, den Namen des Festivals ergab. Kontinuierlich war es gewachsen. Am Ende war es wohl zu groß. Es gab Probleme mit der Verschmutzung der für Campen und Parken genutzten Wiesen am Stauseegelände. „Der Wegzug ist uns schwer gefallen. Da sind schon ein paar Tränen geflossen", sagt Annegret Kalus vom Mitveranstalter Semmel Concerts.
Schon vor dem letzten Durchgang am Stausee hatte die Suche nach einer neuen Heimat begonnen, gab es auch mit der Gemeinde Großpösna Gespräche. Die Bürgermeisterin war mit einer Delegation aus der Gemeinde da und konnte sich ein Bild machen, von dem, was ab 2010 auf der eigenen Gemarkung spektakeln würde. „Wir haben nichts beschönigt. Auf so einem Festival sind nun mal viele Leute, da gibt es laute Musik, und hinterher muss viel Müll aufgesammelt werden. Aber offenbar hat es niemanden schockiert, was sie gesehen haben", sagt die 27-Jährige, die aus Jena stammt, mit dem Festival erst als Fan und seit zweieinhalb Jahren auch beruflich verbunden ist. Die Gemeinde jedenfalls stehe hinter dem Festival. „Wir wollen nun mindestens sechs Jahre bleiben." Und hier gibt es auch noch Raum zum Wachsen. 65 Hektar standen in Thüringen zur Verfügung. Am See zwischen Störmthal und Espenhain sind es 100.
Stromkabel wurden bereits verlegt. DSL-Anschlüsse und Abwasser sollen folgen. Die umliegenden Gemeinden, so Kalus, versprächen sich von dem Festival unter anderen wachsende Bekanntheit unter jungen Leuten, von denen einige nach dem Festival wiederkommen sollen. In eine Region mit Kanu- und Freizeitpark in der Nähe sowie einem Feriendorf, das am See gebaut wird.
Seit Montag vergangene Woche entsteht auf der Magdeborner Halbinsel erst mal die Highfield-Architektur mit Bühnen, Zelten, 16 Kilometern Bauzaun, blechernen Behelfsstraßen, die auf den Schlamm gelegt wurden. Rund 100 Helfer sind im Einsatz. 50 Fotografen und eben so viele Journalisten aus Deutschland und dem benachbarten Ausland sind akkreditiert.
In den letzten Tagen hatte es aus Gießkannen geschüttet. Die Kunstseenplatte, schien es, habe sich nun auch auf die Wiesen ringsum ausgebreitet. Doch der Wetterbericht gibt leichte Entwarnung, das Klima soll von Frühherbst auf Spätsommer wechseln, allerdings sind gelegentliche Dusch-Einlagen nicht ausgeschlossen.
Von der Musik, die bis weit nach Mitternacht zu hören sein soll, würden die Störmthaler wohl nur wenig mitbekommen. Hofft zumindest Annegret Kalus: „Der Lärm zieht zur Deponie."
© LVZ-Online, 18.08.2010, 19:16 Uhr