Leipzig. Der Hörspielsommer Leipzig hat in diesem Jahr den Beweis angetreten, „dass sich Routinen brechen lassen und auch die Sonne scheinen kann“, freut sich Festivalorganisatorin Sophia Littkopf. Am Sonntag endete die achte Ausgabe von Deutschlands größtem Open-Air-Hörspielfestival mit der Preisverleihung für die besten Wettbewerbs-Produktionen.
Anders als in den letzten Jahren hatten die Organisatoren diesesmal bis auf wenige Ausnahmen Glück mit dem Wetter. Bei strahlend blauem Himmel genossen jeden Tag mehrere hundert Besucher das Programm am Richard Wagner Hain. Auch zur Preisverleihung hatten am Sonntag wieder viele große und kleine Hörspielfans die Picknickdecken auf der Wiese ausgebreitet.
"Gekonnt und nicht gewollt"
Gleich zweimal durfte Jan Frederik Vogt die Glückwünsche der Jurymitglieder Nicole Standtke (Redakteurin bei MDR Figaro) und Harry Rowohlt (Übersetzer und Autor) entgegennehmen. Sein Stück mit dem provokanten Titel "This is your penis: 8--o And this is your penis on drugs: 8=====O" erhielt den Preis in der Kategorie "Beste Inszenierung" sowie eine lobende Erwähnung für den Sprecher Markus Fennert.
In seinem Hörspiel Stück thematisiert Vogt auf amüsante Weise Spam-Mails, die tagtäglich die Postfächer überfluten. „Die Idee ist großartig, die Umsetzung gekonnt und nicht gewollt – und am Ende haben wir mit viel Humor wieder ein bisschen mehr darüber erfahren, warum diese Welt, in der wir leben, alles andere als rund ist.", erklärte Harry Rowohlt die Juryentscheidung.
In der Kategorie "Beste Idee" wurde "Wir bleiben alle." von Andreas Kubitza geehrt. In einer Collage aus Live-Berichterstattung, Hintergrundinformationen und Meinungsäußerungen erzählt Kubitza die Geschichte eines autonomen Kulturzentrums auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik "Topf & Söhne" in Erfurt, die Krematoriumsöfen für Konzentrationslager herstellte.
Den Preis in der Kategorie "Beste Sprecher" erhielt das Hörspiel "Dein Schweigen" von Katja Fischer, Rebecca Schuster und Felix Renard. Die Studenten der Hochschule für Musik und Theater Leipzig erzählen nur mit Hilfe von Sprüchen auf dem Anrufbeantworter der Protagonistin Tina eine spannungsreiche Geschichte.
Zwei weitere lobende Erwähnungen sprach die Jury für das Hörspiel "Zimmer 315" von Catharina Göldner und für die Sprecherin Angela Wiedermann aus dem Stück "Dunarea, Dunav, Duna, Dunaj, Donau geht" von Nina Hoechtl. Insgesamt waren in diesem Jahr 81 Beiträge für den Wettbewerb eingegangen.
"Tales of Terratana" gewinnt Kinder- und JugendwettbewerbBereits am späten Nachmittag war der beste Beitrag im Kinder- und Jugendhörspielwettbewerb ausgezeichnet worden. Mehr als zwei Wochen lang konnten die User von LVZ-Online alle Wettbewerbsbeiträge im Internet anhören und für ihren Favoriten abstimmen. Am Ende lag die Produktion „Tales of Terratana“ der Schulradio-AG des Carl-Laemmle-Gymnasiums Laupheim (Baden-Württemberg) mit Abstand vorn.
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„Wir fühlen uns reich beschenkt“, freute sich Projektleiter Ulf Petersohn über die gewonnene Aufnahmetechnik im Wert von 500 Euro. Der Lehrer für Deutsch und Englisch war für die Preisverleihung mit dem Nachtzug nach Leipzig angereist. Allein. „Die Schüler feiern gerade ihren Abschlussball“, entschuldigte er das Fehlen des Produktionsteams. Seit sechs Jahren leitet er gemeinsam mit dem freien Radiomacher Wolfgang Moll das Schulradio-Projekt an seiner Schule. „Tales of Terratana“ ist der erste Teil einer Hörspielserie. „Vielleicht treten wir mit dem nächsten Teil wieder im Wettbewerb an“, erklärt Petersohn und plant gedanklich bereits eine Exkursion mit seinen Schülern zum 9. Leipziger Hörspielsommer.