Kultur
Interview: Fehlfarben-Sänger Peter Hein fühlt sich wie eine Glücksmaschine
Foto: PR Kim Frank
Der Bandname liegt angesichts dieses Bildes irgendwie nah: Frank Fenstermacher, Michael Kemner, Kurt Dahlke, Peter Hein, Saskia von Klitzing und Uwe Jahnke (von links).
Leipzig. Wäre Peter Hein ein begnadeter Small-Talker, könnte er kaum die schroffen Slogans dichten, die das Werk der Fehlfarben seit 30 Jahren auszeichnen. Besser so! Dafür nimmt unser Interviewer Lars Schmidt gern in Kauf, dass die Antworten des Sängers vor dem anstehenden Konzert im Werk II so punktgenau und schnörkellos wie die Zeilen seiner Lieder ausfallen.
Eure Musik stand von Anfang jenseits aller Trends. Auch das gern benutzte Etikett „Punk“ ist eine eher unbeholfene Schublade. Gibt es eine Kategorisierung, die euch treffend erscheint?
Peter Hein: Nein, da fällt mir keine bessere ein.
Bestehen eigentlich Kontakte zu Düsseldorfs Vorzeige-Punks, den Toten Hosen?
Peter Hein: Ja.
Ihre Texte beschreiben die Facetten der Realität erschreckend passgenau. Müssen wir uns Peter Hein als einen verbitterten oder eher zornigen Menschen vorstellen?
Peter Hein: Weder noch. Ich fühle mich zur Zeit eher als Glücksmaschine und ziemlich ausgeglichen.
Schön, seit „Monarchie und Alltag“ eure eigene Form von künstlerischer Kontinuität und Problemsicht verfolgen zu dürfen. Andererseits scheint sich wenig verändert zu haben in der Welt - ist das nicht erschreckend?
Peter Hein: Nein, es ist halt, wie es ist. Der Vorteil: Man braucht nicht großartig umzudenken.
Können Sie sich vorstellen, irgendwann Ihren Frieden mit dem System zu machen?
Peter Hein: Ich habe keinen Krieg mit dem System, ich bin doch ein Teil davon.
Ihre erste Platte sollen Sie im Büro Ihrer damaligen Firma Xerox getextet haben. Wo fallen Ihnen heute Zeilen wie „Wir haben Angst, aber keine Zeit dafür“ ein?
Peter Hein: In diesem konkreten Falle ist mir der Text vor dem Mikrofon bei Moses Schneider im Studio eingefallen. Ich texte ja immer nur, wenn die Musik schon fertig ist, da ich keine Lust habe, Texte für die Schublade zu schreiben. Da passiert es manchmal, dass es erst im letzten Moment geschieht.
In „Respekt“ verlieren Sie am Ende richtig die Contenance. Ist es dieses aufgesetzte Ghetto-Ding im Deutsch-Rap, was Sie zurzeit am meisten nervt?
Peter Hein: Das nervt mich nicht wirklich, es gibt Sachen, die sind wesentlich schlimmer. Das Ghetto-Ding steht immer nur auf Platz zwei, es gibt immer was, was mehr nervt.
„Wir warten. Ihr habt die Uhr, wir die Zeit!“ Ein Manifest! Das Lied, das Hoffnung gibt. Aber worauf warten wir eigentlich?
Peter Hein: Darauf, dass Vernunft sich am Ende durchsetzt, und darauf, dass sich Hoffnungen erfüllen.
Fehlfarben spielen am 8. April um 20 Uhr im Werk II. Als Vorband dabei sind Herpes.
© LVZ-Online, 08.04.2010, 09:22 Uhr