Leipzig. Alexander Schau lächelt mit stetig von links nach rechts wandernden Augen an dem Buch vorbei, das er in seinen Händen hält. "Blankow oder Das Verlangen nach Heimat" von Pauline de Bok ist das zweite Buch, welches er allein in dieser Woche liest. Der 24-Jährige schmökert für sein Leben gern, bis zu zehn Werke im Monat, hochgerechnet 120 Titel pro Jahr. Unglaublich, vor allem weil statistisch gesehen, weniger als ein Prozent der Deutschen pro Jahr mehr als zehn Bücher schafft.
An dieser Leidenschaft zum Lesen will der Student der Kultur- und Literaturwissenschaften auch andere teilhaben lassen. Zusammen mit einer Freundin hat er deswegen vor gut zwei Jahren die eher familiäre Community
www.aufgelesen.org
gegründet. Die Idee ist simpel: Jeder der will, kann seine Rezensionen auf der Seite hochladen und andere Leser vor grausiger Literatur retten oder längst vergessene Werke wieder ins Gedächtnis befördern.
Die Hobbykritiker kommen größtenteils aus Deutschland, ein paar wenige auch aus der Schweiz und Österreich. „Es ist ein reines Spaßprojekt“, sagt Schau, keine kommerzielle Plattform.
Der 24-Jährige nimmt sich die Zeit und liest jede Rezension gegen, dabei urteilt Schau weder über den Schreibstil noch die persönliche Meinung. Er erwartet nur einen eigenen Stil und mehr als drei kritische Sätze. Neben dieser Arbeit kümmert sich der Student zusätzlich um die Programmierung, das Design, die Aktualisierung der Internetseite , sowie die Kontaktpflege mit Verlagen – ein Allround-Talent.
Die Buchmesse in Leipzig will Schau in jedem Fall besuchen. Er plant, sich und seine Plattform bei kleineren Verlagen, darunter auch Leipziger, vorzustellen und neue Kontakte zu knüpfen. Aber vor allem freut er sich auf die Lesung von Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, derzeit Zeit seine Lieblingsschriftstellerin.
Ob er eines Tages auch für eine Zeitung Rezensionen schreiben will, weiß Schau nicht. Wenn es sich ergibt, vielleicht, aber er arbeitet nicht darauf hin. Mit einem Lächeln sagt er: „Da sind einfach zu viele Selbstzweifel.“ Professionell geht der 24-Jährige dennoch vor. Während des Lesens werden Notizen gemacht, Zitate herausgeschrieben, Seitenzahlen notiert. Zudem hat Schau mittlerweile 81 Buchkritiken online veröffentlicht.
Und wo will er einmal hin mit seinem Projekt? Er zuckt mit den Schultern. Bevor der Literaturfreak Partyfotos vom Samstag auf die Internetplattformen facebook oder studivz hochlädt, veröffentlicht er lieber seine Buchbesprechungen vom Wochenende. Unter Umständen motiviert er so die junge Generation wieder mehr zu lesen. Begeistert wäre Schau, wenn seiner Plattform bei größeren deutschen Verlagen integriert werden würde. Aber das ist eher Utopie, glaubt er. Immerhin gäbe es genügend professionelle Rezensenten.