23.05.2012 07:38 Uhr
 

Soundtrack fürs Leben

 
Foto: André Kempner Es ist immer mindestens ein Song, der für ein Gefühl oder eine Erinnerung steht: Ein Soundtrack, der einen immer begleitet. Leipziger Promis erzählen von ihrem Liebling.
 

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Soundtrack

Ein Krimi, der leider nicht erfunden ist - Simone Danaylowa über die Eagles

  Foto: Wolfgang Zeyen
Es ist immer mindestens einer. Ein Song, der für ein Gefühl, eine Erinnerung, eine Erfahrung steht. Ein Soundtrack, der einen lebenslang begleitet. Wir haben Protagonisten der Leipziger Kultur-Szene nach ihrem ganz persönlichen, prägenden Song gefragt. Heute beschreibt die Musikerin Simone Danaylowa, worum es in „Hotel California“ der Eagles geht.

„Hotel California“ von den Eagles ist für mich die schönste Rockballade, schon seit ich etwa 16 Jahre alt war. Obwohl es ein Song in moll ist, bekomme ich beim Hören immer gute Laune. Wegen meiner mäßigen Englischkenntnisse habe ich nie so richtig gewusst, worum es eigentlich in diesem Lied geht. Dank Internet und dessen Recherchemöglichkeiten bin ich nun etwas „schlauer“ und sehr berührt von dem Schicksal weiblicher Mitglieder der Manson Family - abhängig, hörig und gefügig dem Guru der Sekte und ohne Chance, da rauszukommen oder sich innerlich zu befreien - und dem mörderischen Ende der Schauspielerin Sharon Tate Polanski und ihres ungeborenen Kindes. Drugs and Crime, eine Wahnsinnstat, ein (leider wahrer) Thriller. Ich lese fast nur Krimis und liebe sie, aber nur wenn sie erfunden sind.

Der Song spielt auf eine wahre Geschichte der  vermeintlichen Hippiekommune „Manson Family“ Ende der 60er Jahre an. Mit „Hotel California“ ist die Ranch im Death Valley gemeint, auf der die Manson Family (eine satanische Sekte) gewohnt hat. Auf dieser Ranch gab es auch unter anderem eine alte Kirche im spanischen Stil („I heard the mission bell“), die unter anderem auch von dem Gründer der Church of Satan, Anton Szandor LaVey (Spitzname The Captain), besucht wurde. Mit „warm smell of colitas“ ist der Duft von dort wachsenden Kakteen gemeint, aus denen Drogen gewonnen werden. „My head was heavy and my sight grew dim“ ist der benebelte Zustand in dem sich der Reisende befindet.

Mit der Frau die die Tür öffnet, ist die Schauspielerin Sharon Tate gemeint, sie war mit Roman Polanski verheiratet und wurde (schwanger!!!) von der Manson Family ermordet - neben einigen anderen. Mit „she got the Mercedes Benz“ ist wohl frei übersetzt gemeint, dass sie wohlgeformte Rundungen hatte, was in diesem Fall heißt, sie war schwanger. Auch der weitere Text schildert in Metaphern Erlebnisse, die jemand erlebt hat, der in diese „Familie“ eingestiegen ist, was die Eagles sehr wohl am eigenen Leib erfahren haben. Die Manson-Familie verkörperte nach außen hin den freien American Way of Life.

Sinn des Ganzen war, dass Charles Manson („The Beast“), der Anführer, ein begabter Musiker war und durch Drogen, Sexpartys und das freien Leben auf seiner Ranch große Rockstars wie die Eagles, Rolling Stones, Beach Boys und andere köderte, um mit ihnen ins Geschäft zu kommen. Diese Stars waren nie in der Church of Satan, hatten aber durch ihre Kontakte zur „Familie“ den Ruf weg. Die Eagles merkten sehr schnell, dass Manson nicht ganz klar im Kopf war und wollten aussteigen, wurden aber von Manson wie viele andere Stars erpresst und bedroht. („You can check out any time you like, but you can never leave“).

„We haven’t had that spirit here since 1969“ heißt eigentlich „Diese Seele ist seit 1969 nicht mehr unter uns“. Gemeint ist die Ermordung von Sharon Tate 1969 und die darauffolgende Verhaftung und Verurteilung und somit die Auflösung der Manson Family. Manson hatte den Mord wohl „angeordnet“, aber nicht selbst gemordet.

Der Mord an Sharon Tate, beziehungsweise der Fall Charles Manson ist jahrelang in der Presse behandelt und diskutiert worden. Charles Manson und seine Anhänger sind 1970 zum Tod verurteilt worden. Im Jahr darauf wurde die Todesstrafe in Kalifornien abgeschafft, so dass alle Urteile in lebenslänglich umgewandelt wurden.
 
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