September
Ein Loblied: Michael Weichert gibt ein über 300 Jahre altes Werk Rückhalt
Michael J. Weichert
Foto: Andrè Kempner
Ein Lied von Geborgenheit, Bleiben-Dürfen und Dankbarkeit - Michael Weichert.
Das ist jetzt sicher eine Überraschung: Ein Lied aus dem Evangelischen Kirchengesangsbuch! Ja, dieses Lied von Joachim Neander aus dem Jahr 1680 hat mich eigenartiger Weise begleitet. Schon in der Vorschulzeit Ende der 1950er Jahre in einem sächsischen Dorf habe ich es in den Gottesdiensten meines Vaters gern gesungen. Wohl vor allem wegen der Dynamik und der fröhlichen Melodie.
Es war die Zeit der Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft der DDR. Die Kirche war für mich der einzige Ort, an dem man vor 1989 frei reden und denken konnte. Und dieses Lied sagt etwas von Geborgenheit und Führung, von Bleiben-Dürfen wie man ist und von Dankbarkeit – und dass man darüber reden kann. Das hat mir immer in den Auseinandersetzungen in der Schule und Ausbildung, danach mit den Behörden, der Polizei und Staatssicherheit geholfen, als Nicht-Pionier, Nicht-FDJler, "nur" Konfirmand, Wehrdienstverweigerer, Theologiestudent und später als Mitgründer des Neuen Forums in Leipzig.
Sehr berührt hat mich das Lied wieder im März, während des Trauergottesdienstes für meinen Vater. Er hatte es sich selbst ausgesucht, und ich habe seine Botschaft zu leben (Theologie) verstanden.
© LVZ-Online, 10.09.2010, 10:45 Uhr