Kultur
"Vogue"-Fotos des deutschen Star-Fotografen Horst P. Horst werden in Halle ausgestellt
Sophia-Caroline Kosel, dpa
Halle. Der junge Karl Lagerfeld thront vor einem riesigen Spiegel auf einem pompösen Sofa. Coco Chanel liegt mit einer Zigarette in der Hand auf einer Couch und schaut verträumt an die Wand. Marlene Dietrich trägt einen riesigen Hut, zwei Einstecktücher und weiße Handschuhe - und blickt in die Ferne. Alle drei High-Society-Lieblinge bekam Horst P. Horst (1906-1999) vor die Linse. Der im sachsen-anhaltischen Weißenfels (Burgenlandkreis) geborene Star-Fotograf - im doppelten Sinne - arbeitete seit 1931 für die Zeitschrift „Vogue“. Die Schau „Art en Vogue - Horst P. Horst trifft auf den 'Roten Dior'“ in der Galerie des Kunstvereins Talstraße in Halle widmet sich vom 4. März bis 25. April dem Werk des Wahl-Amerikaners.
„Er war einer der wichtigsten „Vogue“-Fotografen und seine Bilder sind in vielen Sammlungen vertreten“, sagt Kunstvereins-Sprecherin Christin Müller-Wenzel über den Mann, dessen Name in Deutschland wenig bekannt ist. Er hieß eigentlich Horst Paul Albert Bohrmann und war Sohn eines Kaufmanns. Über seine Tante in Weimar verkehrte er jedoch schon früh in Künstlerkreisen. 1926 bis 1928 studierte er Architektur an der Kunstgewerbeschule Hamburg. 1930 absolvierte der junge Mann aus Weißenfels ein Praktikum bei Le Corbusier in Paris - und lernte dort den Cheffotografen der französischen „Vogue“ kennen.
Damit war der Grundstein für die weitere Karriere gelegt: Bohrmann spezialisierte sich auf die Fotografie, siedelte 1935 in die USA über, erwarb dort die amerikanische Staatsbürgerschaft und nannte sich fortan Horst P. Horst. Die Schau zeigt nun 21 Fotografien, die er noch zu Lebzeiten dem Schloss Weißenfels geschenkt hat, sowie 12 Fotos aus seinem US-Nachlass. Meist sind feine Damen in anmutigen Posen zu sehen, aber auch Stillleben sind dabei; etwa ein mit Weinflasche, Trauben und Obst bedeckter Tisch.
Die Fotos wirken so, als wären sie erst kürzlich entstanden. Sie stammen aber meist aus den 30-er und 40-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das gilt auch für die acht originalen Design-Kleider aus DDR-Zeiten, die die Foto-Schau ergänzen: Sie entstanden in der Firma vom „Roten Dior“, dem Magdeburger Modehaus-Besitzer Heinz Bormann. „Man sieht, dass die DDR-Mode ein Stück weit mithalten konnte“, sagt Kunstvereins-Chef Matthias Rataiczyk zum Zusammenhang zwischen Bormann aus Magdeburg und Bohrmann aus Weißenfels.
„Das Modehaus Bormann hat die DDR-Prominenz eingekleidet, von Schlagerstars bis Lotte Ulbricht“, sagt Rataiczyk. Er habe oft über verschlungene Wege die edelsten Stoffe organisiert, damit etwa Dagmar Frederic oder Monika Hauff mit den Damen des Westens mithalten konnten. Die Schau zeigt etwa ein „Kleines Schwarzes“ mit raffiniertem Rückenausschnitt, das in den 60-er Jahren die Frau des Rektors der Medizinischen Akademie Magdeburg trug. Es wäre auch heute noch tragbar. „Bei Horst P. Horst und bei Bormann sieht man: Alles durchläuft Zyklen und kommt immer wieder“, sagt Müller-Wenzel.
© LVZ-Online, 03.03.2010, 17:03 Uhr