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Wave Gotik Treffen

Leipzig in schwarz getaucht: 20.500 Besucher beim Wave-Gotik-Treffen

Leipzig. Nach vier Tagen ist am Montag das 19. Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig zu Ende gegangen. Etwa 20.500 Besucher tauchten die Stadt vier Tage lang in schwarz. Knapp 200 Szene-Künstler mit ihren Darbietungen standen auf dem Programm des traditionellen „Familientreffens“, das jedes Jahr zu Pfingsten tausende Anhänger düsterer Musik nach Leipzig zieht.

Laut Sprecher Cornelius Brach erfreuten sich auch Klassik-Konzerte großer Beliebtheit. Die zwei Ballettabende in der Oper seien sehr gut besucht gewesen. Auch für die Oper „La Traviata“ am Montagabend erwartete er voll besetzte Ränge. „Vor zwei Jahren hatten wir das schon einmal im Angebot. Damals war der komplette Rang besetzt“, sagte er.

An 40 Orten im Stadtgebiet waren zahlreiche Veranstaltungen angesetzt, viele unter freiem Himmel. Und das Wetter meinte es gut mit den WGT-Besuchern – Sonnenschein und warme Temperaturen. Erst am Montagnachmittag hüllte sich auch der Himmel in ein tiefes Schwarz und ein kräftiger Regenschauer ergoss sich über der Stadt.

Szenegottesdienst, Heldensagen und Krematoriumsbesuch

Zum festen Veranstaltungsinventar gehört mittlerweile der Szenegottesdienst in der Leipziger Peterskirche. Bereits zum sechsten Mal lud der Freundeskreis Gothic Christ am Sonntag in das Gotteshaus ein. Unter dem Motto „Leben. Zwischen Anfang und Ende.“ wurden am Nachmittag zwei Szenemessen gefeiert. Ihnen schlossen sich am Abend zwei Konzerte an.

Den Klängen von Götterdichtungen und Heldensagen lauschten zahlreiche WGT-Besucher am Samstag in den alten Gemäuern des Völkerschlachtdenkmals. Die Gruppe Midgards Boten präsentierte dort ihre musikalische Interpretation der nordgermanischen Dichtung "Edda".

Zum Angebot gehörten aber auch Führungen durch die Trauerhallen und das Krematorium des Südfriedhofs. Bis zu 100 Teilnehmer konnten sich durch die Örtlichkeiten führen lassen.

Ob Cyber-Goth oder Mittelalter-Freund – eine bunte Vielfalt in schwarz


Die Besucher strömten aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland nach Leipzig. Egal ob jung oder alt, Cyber-Goth oder Mittelalter-Freund, sie alle lobten die einzigartige Atmosphäre des weltgrößten Szene-Treffens. „Wir Gothics sind einfach eine große Familie. Wir sind freundlich zueinander“, sagte Angie Kaufer (27) aus München. Sie und ihr Begleiter Daniel Weber (28) liefen im Piraten-Look mit Totenkopf-Dress und Dreispitz über das Festivalgelände auf der Agra. Zum siebten Mal sei sie schon beim WGT dabei, sagte Angie.

Vergleichsweise poppig und bunt kam Julia Wilstermann aus Haale/Saale daher. „Ich bin Cyber-Goth“, sagt die 19-Jährige. Sie trug einen lila-pink-schwarzen Streifen-Look, hohe schwarze Plateau-Stiefel, in der Strumpfhose waren Löcher. Auch Julia war nicht zum ersten Mal auf dem WGT. „Ich mag das Treffen, die Leute, die Partys“, sagte sie. Wie die allermeisten ließ sie sich bereitwillig fotografieren. Sehen und gesehen werden ist angesagt auf dem Treffen.

Viele Gäste kamen auch aus dem Ausland, auf dem Festival-Gelände waren alle möglichen Sprachen zu hören. Anna Sanojca (19) ist aus Krakau in Polen nach Leipzig gekommen, zum zweiten Mal. „Ich mag das Treffen unheimlich gerne. Ich denke, die Gothic-Kultur braucht einen Platz wie diesen, um sich zu treffen.“ In Polen gebe es eher kleinere Veranstaltungen. Sanojca war auch aufwendig kostümiert, „viktorianischer Stil“, sagte sie, gemixt mit Punk-Elementen wie ihrem Nasenring.

Eine Attraktion auf dem Treffen war auch Tillmann Siebott aus Wuppertal. Der 40-Jährige war mit einem echten, 7,10 Meter langen Leichenwagen angereist. „Ich habe ihn in Kanada für 1000 Dollar gekauft“, erzählte er stolz. Auf der Tasche seines schwarzen Hemdes steht zwar „Bestattungsunternehmen“, aber er sei eigentlich Außendienstler, sagte Siebott. Er sei wegen der Musik da. Wie er die Atmosphäre auf dem WGT findet? „Heftig. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele sind. Wenn man das brutal ausdrückt, ist es das Oktoberfest der Schwarzen.“

Atmosphäre eines „Familientreffens“ soll erhalten bleiben


WGT-Sprecher Cornelius Brach sagte, das Treffen, zu dem auch Mittelaltermärkte, Friedhofsführungen und ein heidnisches Dorf gehören, habe inzwischen eine „kritische Größe“ erreicht. Weiter wachsen solle es eigentlich nicht. „Wir könnten zwar leicht ein paar tausend Besucher mehr haben, indem wir einfach noch ein paar sehr bekannte Bands auftreten lassen.“ Das sei aber nicht Sinn der Sache. Die unvergleichliche Atmosphäre eines „Familientreffens“ solle erhalten bleiben, wenn im nächsten Jahr der 20. Geburtstag des Wave-Gotik-Treffens gefeiert wird.

Noch bevor die Besucher des WGT 2010 abgereist waren, hatte Brach am Montagnachmittag den Blick bereits auf 2011 gerichtet. Erste Ideen für die Jubiläumsausgabe habe er bereits. Nur verraten wollte er sie noch nicht.
 
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