Bildung
Uni-Spitze unter Druck - Studentenrat fordert Rücktritt des Rektoratskollegiums
Mario Beck
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Uni-Spitze unter Druck - Studentenrat fordert Rücktritt des Rektoratskollegiums
An Leipzigs Universität sind Studentenrat (Stura) und Rektoratskollegium heftig aneinander geraten. Der Stura forderte am Montag den Rücktritt der Uni-Spitze, weil sie Entscheidungen des akademischen Senates umgehe. Rektor Franz Häuser wies die Vorwürfe als "haltlos" zurück: "Es ist ein starkes Stück, mir juristische Winkelzüge und Missachtung der Gremien zu unterstellen."
Nachdem die studentischen Vertreter im Senat Ende voriger Woche bereits eine Breitseite auf das Rektoratskollegium abgeschossen hatten und ihm im Zusammenhang mit einer Abstimmung über Dokumente zum Lehramtsstudium anlastete, die demokratischen Spielregeln zu verletzen, legte gestern der Stura nach. Dessen Sprecher Simon Schultz von Dratzig erklärte, Häuser, die drei Prorektoren und der Uni-Kanzler hätten in diesem und im letzten Semester mehrfach an den Gremien vorbei Entscheidungen gefällt. "Die Vorfälle haben sich gehäuft, in denen das Rektorat seinen Aufgaben nicht nachgekommen ist und damit erhebliche Beeinträchtigungen der Rechte aller universitären Mitgliedsgruppen in Kauf nahm." Personelle Konsequenzen seien überfällig, sagte von Dratzig.
Aus Sicht des Stura, der Interessenvertretung von rund 27 000 Uni-Kommilitonen, hat sich das Rektorat beispielsweise bei der Debatte um die neue Grundordnung der Alma mater sowie bei Bestimmungen für die Pädagogen-Ausbildung beratungsresistent gezeigt. Außerdem werde den Gremien der Hochschulentwicklungsplan des sächsischen Wissenschaftsministeriums (SMWK) vorenthalten.
Rektor Häuser, dessen Amtszeit im August abläuft, warf dem Stura vor, er würde die betreffenden Sachverhalte in "ein völlig falsches Licht rücken". Bei der Debatte um die vorläufige Grundordnung, einer Art Universitätsverfassung, habe das Rektorat das SMWK für eine juristische Prüfung einschalten müssen, damit die Ordnung auch "rechtskonform" ausfällt. "Anschließend ist sie vom Senat beschlossen worden", so der 64-Jährige, der zugleich darauf verwies, dass ein aktueller Hochschulentwicklungsplan noch gar nicht vorliege. "Was ich nicht habe, kann ich in den Gremien auch nicht zur Diskussion stellen."
Zur Kontroverse um die Studiendokumente für das Lehramt erklärte Häuser, der Senat habe sie mit einfacher Mehrheit gebilligt. Das sei aus seiner Sicht ausreichend. Wie berichtet, sehen das die studentischen Senatoren, die dagegen gestimmt hatten, anders. "Wir können dem Rektorat einfach nicht mehr vertrauen", meinten die studentischen Mitglieder des Senates, Daniel Fochtmann und Marcel Wodniock. Mit einem "juristischen Eiertanz" habe sich das Rektorat jüngst bei einer Senatssitzung auch der von den studentischen Senatoren gestellten Vertrauensfrage entzogen. Häuser: "Der Senat hat sich mit großer Mehrheit gegen die Vertrauensfrage ausgesprochen."
Für den 15. April hat der Stura eine studentische Vollversammlung anberaumt, bei der der Rücktrittsforderung Nachdruck verliehen werden soll. Von Dratzig: "Das Rektorat ist nicht mehr tragbar."
Mario Beck
© LVZ-Online, 16.03.2010, 10:51 Uhr