BouL.E.vard
Frank Schöbel nimmt Abschied von seinem Onkel
Kerstin Decker
Frank Schöbel, erfolgreichster und prominentester Schlagersänger der DDR, hat auf dem Leipziger Südfriedhof Abschied von seinen Onkel Herbert Küttner genommen. Der populäre Sport- und Schlagermoderator des DDR-Rundfunks ist am 19. Februar im Alter von 83 Jahren gestorben.
Frank Schöbels Mutter und Herbert Küttners Frau waren Schwestern. „Er war mir wie ein Vater, weil ich meinen Vater mit zweieinhalb Jahren in den Kriegswirren verloren habe. Er spielte Hockey bei Aufbau Südwest, ich spielte Hockey bei Aufbau Südwest. Als ich Meteorologe werden wollte, hat Onkel Herbert mich zum Wetterdienst nach Potsdam geführt. Und als es die Musik sein sollte, brachte er mich beim Erich-Weinert-Ensemble ins Gespräch", erinnert sich der 67-Jährige, der in Leipzig aufgewachsen ist. Schöbel betont: „Er hat mir geholfen, laufen zu lernen, aber laufen musste ich selbst. Später beim Schlagermagazin war er mir und meinen Sängerkollegen immer ein fairer Partner, hat mich aber nie vorgezogen."
Küttner moderierte von 1955 bis 1990 das „Schlagermagazin" im Berliner Rundfunk und endete stets mit „Punkt. Unterschrift. Gezeichnet Herbert Küttner". In der Sportredaktion von Radio DDR betreute er Friedensfahrt und Fußball-Oberliga, moderierte auch gelegentlich „Sport aktuell" beim Adlershofer Fernsehen. Seine Frau Johanna schrieb die deutschen Texte für Spejbl und Hurvinek und betreute bei Radio DDR „Angekreuzt und unterstrichen" (1971 bis 1989) - mit ihrem Mann als Moderator. Sie starb im vergangenen Jahr.
Die Trauerrede hielt Peter Degner, danach folgten rund 60 Angehörige und Freunde dem Sarg zum Familiengrab der Küttners. Abschied nahmen die Sänger Ingo Graf und Maja Catrin Fritsche ebenso wie mehrere Leipziger Rundfunkkollegen. Auf seinen Regenschirm gestützt, ging der frühere „Kessel-Buntes"-Moderator Manfred Uhlig im Trauerzug mit - er war nicht nur Kollege, sondern gehörte zum engen Freundeskreis von Herbert Küttner, zusammen mit den bereits Verstorbenen Fips Fleischer und Fred Frohberg.
© LVZ-Online, 02.03.2010, 11:50 Uhr