Er wurde in Leipzig ins Leben gerufen und viermal auf dem Leipziger Opernball vergeben: der Designerpreis für Gala- und Festmode „Der Goldene Ball". Doch damit ist nun Schluss. Die Opernball-Ausrichter mussten den Markeneintrag löschen lassen und sich einen neuen Namen suchen. Grund: In Frankreich wird der „Ballon d’Or" an den Weltfußballer des Jahres verliehen, deutsche Übersetzung: Goldener Ball.
Ende vergangenen Jahres erhielten Vivian Honert-Boddin und Sylke Schumann von der Opernball Leipzig GmbH Post von einem Rechtsanwalt aus Hamburg. Christian Hertz-Eichenrode forderte sie zum Verzicht auf die Marke „Der Goldene Ball" auf. Gegenüber der LVZ erklärte der Anwalt, diese Marke habe in der Sport-Branche einen bedeutenden Namen. Die älteren und bedeutenderen Rechte lägen bei der französischen Pressegruppe Intra-Presse. Dazu muss man wissen: Seit 1956 zeichnet die Fachzeitschrift France Football Europas besten Fußballer mit dem „Ballon d’Or" aus. Im Jahr 2010 klinkte sich der Weltfußballverband Fifa ein und legte seinen eigenen Preis für den Weltfußballer des Jahres mit dem „Ballon d’Or" zusammen. Die letzten dreimal gewann der argentinische Superstar Lionel Messi diesen Titel.
Die Intra-Presse lässt regelmäßig die Markenregister durchforsten, um herauszufinden, ob jemand anders eine gleich lautende Marke angemeldet hat. Laut Hertz-Eichenrode befürchte seine Mandantin „Rufausbeutung", sprich die Schwächung der eigenen Marke oder das Profitieren eines anderen davon, wenn irgendwer einen gleich lautenden Titel benutzt. Dabei geht es offenbar rein ums Prinzip. Denn was der Leipziger „Goldene Ball" überhaupt ist und dass er etwas mit dem Opernball zu tun hat, wusste der Anwalt nicht einmal.
Für die Damen von der Opernball Leipzig GmbH war das eine überraschende Neuigkeit. „Wir haben damals alles durchgegoogelt und waren felsenfest überzeugt, dass es einen ,Goldenen Ball‘ noch nicht gibt", so Pressesprecherin Sylke Schumann. Allerdings sei nur deutschlandweit gesucht worden und nicht nach einer französischen Übersetzung.
Konsequenz: „Wir wollen uns nicht vor Gericht streiten, daher verzichten wir auf den Titel. Den Markeneintrag haben wir löschen lassen."
Der Designerpreis läuft nun unter neuem Namen weiter, ab 2012 heißt er „Der Goldene Charlie". Der neue Name soll an Charles Frederick Worth (1825-1895) erinnern, den ersten Haute-Couture-Designer der Modegeschichte und Erfinder der Modenschauen. Der diesjährige Wettbewerb ist bereits angelaufen, die Ausschreibung ist veröffentlicht. Bis 31. Mai können sich junge Nachwuchsdesigner mit ihren Kreationen bewerben. „Der Goldene Charlie" wird am 27. Oktober vor 2000 Gästen im festlichen Rahmen des Leipziger Opernballs verliehen.