BouL.E.vard
Ohne Queen wäre Sebastian Krumbiegel kein Prinz
Sebastian Krumbiegel
Foto: André Kempner
Ohne Queen wäre Sebastian Krumbiegel kein Prinz – am liebsten mag er „Bohemian Rhapsody“.
Leipzig. Im Leipziger Thomanerchor gab es, was Popmusik betrifft, Ende der Siebziger, Anfang der Achtzigerjahre zwei musikalische Lager - auf der einen Seite gab es die Deep-Purple-Fraktion, auf der anderen die Queen-Fans. Ich mochte beide Bands, wenn ich mich aber hätte entscheiden müssen, wäre ganz klar gewesen: Mein Herz schlägt für Queen.
Von den Reisen des Thomanerchores ins westliche Ausland hatte ich mir nach und nach alle (!) Queen-Platten mitgebracht. Das war ein unglaublicher Schatz, und mir brach fast das Herz, als ich diese Sammlung als 15-Jähriger verkaufte, um mir mein erstes Schlagzeug zuzulegen, das Instrument, das mir in den nächsten Jahren viele Türen öffnen sollte und mich letztlich zum Musikstudium führte. Etwas pathetisch könnte ich kalauern: Ohne Queen wäre ich heute kein Prinz.
Mit sich selbst um die Wette gesungen
Das wohl bedeutendste Lied dieser, meiner Lieblingsband ist unbestritten „Bohemian Rhapsody". Schon die ersten Takte, das a cappella gesungene „Is this the real life - is this just fantasy ..." lassen erahnen, dass das, was da in den nächsten knapp sechs Minuten folgt, kein normaler Popsong ist. Es wird die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der gerade jemanden erschossen hat - ein schräges Psychogramm, kein Herz- Schmerz-I-Love-you-Gesäusel, sondern eine Oper, ein großes Meisterwerk, eine unbeschreibliche musikalische Reise durch verschiedene Stile. Ich habe dieses Lied damals immer und immer wieder gehört, habe versucht zu verstehen, was damit gemeint sein könnte, und in meinem Kopf wurden Geschichten angeknipst, die mich auf Reisen in andere Welten geschickt haben.
Heute, in Zeiten des Internet, kursieren unter Musik-Freaks verschiedene „Schmäckerchen", so zum Beispiel die Einzelspuren bedeutender Popsongs. Ein Freund gab mir kürzlich alle 24 Spuren von „Bohemian Rhapsody" - dadurch konnte ich noch viel besser durchschauen, was das wirklich für ein Meisterwerk ist. Freddie Mercury, der exzentrische Sänger, hat die Gesangspassagen fast im Alleingang aufgenommen, sozusagen mit sich selbst um die Wette gesungen - das kann man anhand dieser Einzelspuren hervorragend nachvollziehen, und ich kann wirklich sagen, dass ich dadurch jede Menge gelernt habe.
Ganz gleich, ob man „Bohemian Rhapsody" nun als musikhistorisches Studienobjekt oder eben einfach nur als großartige Popmusik hört, es ist und bleibt ein zeitloser Klassiker, ein Lied, das auch in 100 Jahren noch gehört werden wird. Manchmal denke ich sogar, solange es so wunderbare Musik gibt, kann passieren was will - oder, um mit Freddie Mercury zu sprechen: „Nothing really matters to me - anyway the wind blows" ...
© LVZ-Online, 29.07.2010, 10:12 Uhr