Schauspieler Thorsten Wolf besuchte einen dicken TV-Kumpel: das Flusspferd vom Zirkus Voyage, der gerade am Cottaweg gastiert. Mit dem Tier stand er voriges Jahr für die Serie „Tierärztin Dr. Mertens" vor der Kamera.
„Grüß dich Fanny, willkommen in Leipzig, kennst du mich noch?" Ob der Zwei-Zentner-Koloss ihn an der Stimme erkannte, sei dahin gestellt. Er sperrte sein Maul auf, bekam Salat - und war zufrieden. Fanny heißt das Tier aber nur in der Serie. Sein eigentlicher Name ist Jedi, und es ist kein Mädchen, sondern ein etwa 28 Jahre alter stattlicher Bulle. Der 45-jährige Kabarettchef der Leipziger Funzel erinnert sich gern an die Dreharbeiten. In seiner Rolle als Cheftierpfleger Conny Weidner musste er das Flusspferd vorübergehend im Zoo Leipzig in seine Obhut nehmen. Laut Drehbuch war es auf der Durchreise von Hamburg in den Zoo Prag, doch unterwegs ging der Lkw kaputt. Und als für Fanny ein Wassergraben ausgehoben werden sollte, wurde eine Bombe gefunden. Der gesamte Zoo musste evakuiert werden.
Gedreht wurde im Juni 2009 auf dem Gelände des früheren Parkkrankenhauses Dösen. Der Zoo Leipzig besitzt gar keine Flusspferde. Auch aus Quarantänegründen und weil die echten Zootiere nicht fürs Filmgeschäft trainiert sind, kann mit ihnen nur bedingt gearbeitet werden. Oft liefern sie lediglich die Schnittbilder, mit denen die Handlung umrahmt wird. Statt dessen werden trainierte Tiere aus Privatbesitz oder Zirkussen gebucht.
„Der Dreh war sehr schön, weil ein Flusspferd etwas Besonderes ist und weil es sehr schöne Bilder ergab", so Wolf. „Das war meine erste hautnahe Begegnung mit einem Flusspferd, und es sollte auch die letzte bleiben. Denn es sind gefährliche Wildtiere, die unheimlich schnell rennen können", weiß der Leipziger, der in Namibia und Tansania die Tiere schon in freier Wildbahn bewundert hat.
Mit Fanny alias Jedi musste der Cheftierpfleger für den Dreh über eine weite Wiese laufen, und das Tier sollte auf Kommando in sein Badebecken ein- und aussteigen. Zirkusdirektor und Tiertrainer Alois Spindler war immer mit dabei. Der Bulle - europaweit das einzige TV-taugliche Flusspferd - spielte hervorragend mit, der Dreh ging viel schneller als geplant. „Wenn ihr mal in Leipzig seid, besuche ich euch", versprach Wolf den Zirkusleuten am Ende der sieben Drehtage.
Zum Verlassen des Badebeckens ließ sich der Zwei-Zentner-Bulle damals, im heißen Sommer, jedoch nur mit Leckereien bewegen. Müsli, Brot, Salatköpfe und Äpfel verputzte er mit großem Vergnügen. „Natürlich entleerte er sich dann auch, da musste man aufpassen", erinnert sich Thorsten Wolf schmunzelnd. „Wenn er mit dem Hintern wackelte und der kleine Schwanz sich in Bewegung setzte, hieß es immer: Achtung, es geht los! Der Schwanz wirkte wie ein Propeller und verteilte das Verdaute ringsum", lacht der Schauspieler. „Mit sowas muss man halt leben, auch mit den Gerüchen."
Der Zirkus Voyage hat seinen Sitz in Hagen/Westfalen und sein Winterquartier in Delitzsch. Noch bis zum 21. März gastiert er am Cottaweg, Vorstellungen sind täglich um 16 und 19.30 Uhr, sonntags um 11 und 15 Uhr.