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3,7 Millionen Euro auf Heininger-Konto
Jens Rometsch
Ein Konto im Fürstentum Liechtenstein, auf dem jetzt 3,7 Millionen Euro liegen, dürfte ihm zum Verhängnis werden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft handelt es sich dabei um Bestechungsgeld sowie Zinsgewinne von Bestechungsgeld. Dabei hatte Klaus Heininger als Finanzgeschäftsführer der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) nicht schlecht verdient. Sein zu versteuerndes Jahreseinkommen betrug etwa 270000 Euro; also pro Monat 22500 Euro brutto.
Wie es zu dem Geheimkonto auf Heiningers Namen kam, dazu erhoffen sich die Ermittler jetzt vor allem von ihm selbst Auskunft. "Seine Anwälte haben gerade noch mal versichert, dass er in den nächsten Tagen oder Wochen aussagen wird", berichtete Till von Borries auf Anfrage der LVZ. Laut dem Sprecher der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft ist noch nicht gesichert, ob Heininger das Liechtensteiner Konto im Jahr 2006 selbst einrichtete. Oder ob es jemand anders für den heute 50-Jährigen tat. Klar sei aber, dass die Schweizer Beraterfirma Value Partners vor vier Jahren etwa 2,4 Millionen Euro auf das Konto überwies. Das Geld stammte von den 28 Millionen US-Dollar Provisionen, die das Züricher Finanzdienstleistungsunternehmen für die Anbahnung der geheimen Finanzwetten Heiningers auf Kosten der KWL erhielt.
Dass es dabei um Bestechung ging, haben die Value-Partners-Manager Jürgen Blatz und Berthold Senf vor zwei Wochen gestanden. Ihr Sinneswandel setzte offenbar nicht erst in Untersuchungshaft ein. So stellte sich Senf am 17. März in Baden-Württemberg den deutschen Behörden, bestätigte von Borries auf Nachfrage. Er sei an diesem Tag gerade von einer Brasilien-Reise nach Zürich zurückgekehrt und noch am Flughafen von der Schweizer Polizei festgenommen worden: auf Grundlage eines internationalen Haftbefehls. "Den Schweizer Kollegen reichten unsere Haftgründe aber nicht aus, deshalb ließen sie ihn wieder frei", berichtete der Staatsanwalt. "Senf hätte also durchaus zurück nach Brasilien fliegen können. Stattdessen kam er am Nachmittag nach Deutschland und stellte sich der Polizei."
Dies sei auch ein Grund gewesen, weshalb der 44-Jährige nach einem Monat U-Haft in Leipzig nun wieder auf freien Fuß kam. Inzwischen arbeiten Blatz und Senf nicht nur mit den Ermittlungsbehörden zusammen, sondern auch mit den KWL-Anwälten. So ist schon weitgehend geklärt, was aus den Provisionen wurde: Das Geld befindet sich auf Konten in verschiedenen Ländern, nur teilweise in der Schweiz.
Dennoch braucht niemand Angst haben, dass Leipzigs Kommunalfirmen neue Geschäfte mit Value Partners machen. Zur Betreuung der Cross-Border-Leasing-Verträge, die ebenfalls Blatz und Senf arrangiert hatten, laufe bereits eine Ausschreibung, teilte die Stadtholding LVV auf Anfrage mit.
© LVZ-Online, 18.05.2010, 13:48 Uhr