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Aufschwung im Graphischen Viertel: 40 Baudenkmäler seit 2005 saniert
Jens Rometsch
Das Graphische Viertel in der Ostvorstadt hat nach Ansicht von Fachleuten jüngst einen enormen Aufschwung geschafft. 40 Baudenkmäler wurden dort seit 2005 saniert, gegenwärtig laufen Arbeiten an 25 weiteren Häusern.
Die Zahlen stammen vom Leipziger Amt für Bauordnung und Denkmalpflege, wo das Graphische Viertel lange Zeit als großes Sorgenkind galt. "1990 gehörte es zu den Stadtgebieten mit den größten Defiziten", erinnert sich Abteilungsleiter Norbert Baron. "Unberäumte Trümmerflächen, Industriebrachen und besonders schwer geschädigte Wohnhäuser bestimmten das Bild."
Nach der Wende entstanden in der Ostvorstadt viele Neubauten. Ab 1998 herrschte wieder Agonie. Erst vor rund fünf Jahren regte sich in dem Gebiet zwischen Promenadenring und Ludwig-Erhard-Straße, wo einst das Herz von Deutschlands Druck- und Verlagswesen schlug, neues Leben. "Dabei hatte die Instandsetzung von Baudenkmalen wegen der Steuervergünstigungen absoluten Vorrang", weiß Stadtbezirkskonservator Peter Leonhardt. "Hinzu kamen die Nähe zur City, die Stille der Nebenstraßen und die Vielfalt der historischen Bauten, die Raum für unterschiedlichste Wohnbedürfnisse bietet. Das Graphische Viertel wurde regelrecht neu entdeckt."
Tatsächlich sind beim Gang durch die Kreuz-, Salomon- oder Inselstraße viele frisch sanierte Wohnhäuser oder umgenutzte Fabrikanlagen zu entdecken. Highlights sind für Leonhardt zum Beispiel die Restaurierung der Auguste-Schmidt-Straße 18 und Sternwartenstraße 27, beides Wohnhäuser, die um 1860 und damit noch vor der Gründerzeit entstanden. Auch die Rettung der Dresdner Straße 17 (eine 1838 erbaute Villa mit Fabrikgebäude im Hof) begeistert den Denkmalschützer: "Es ist das letzte Beispiel der früheren villenartigen Bebauung in der Ostvorstadt." Frisch saniert erstrahlen nun auch Wohnhäuser, die namhafte Architekten entwarfen: so die Stephanstraße 10 und 12 (Max Bösenberg, 1881/82, mit Rohziegeln an der Fassade und einem ganzen Zyklus von Deckengemälden) oder der Johannisplatz 17 (Emil Franz Hänsel, 1936/37).
Die Fabrikanlagen, die jetzt eine neue Nutzung erfahren, stammen meist aus der Zeit um 1900. So beherbergt die frühere Buchbinderei Enders in der Salomonstraße 10 heute eine Kita. Das Antiquariat K.W. Hiersemann, ein prachtvolles Geschäftshaus in der Goldschmidtstraße 29, dient für Wohnzwecke. Ebenso die Buchdruckerei Jütte in der Kreuzstraße 20, die durch die Leipziger Premium Estate Group in 18 Lofts verwandelt wurde. Kaltmieten von 7 Euro sind keine Seltenheit mehr im Graphischen Viertel, sagt Georg Kling, Chef der Kling Group, die den Verlag für Kunst und Wissenschaft an der Kreuzstraße 14 sowie soeben zwei Wohnhäuser in der Inselstraße saniert hat. "Gerade große Wohnungen - mit 150 bis 170 Quadratmetern - gehen sofort weg", weiß Kling.
Auch die 33 komfortablen Wohnungen, die Hildebrand & Jürgens unlängst im Hubertushaus an der Salomonstraße 13 eingerichtet hat, waren im Handumdrehen vermietet, berichtet Steffen Hildebrand. "Zu 6,30 bis 7,20 Euro in der Spitze." Der Name des 1932 eröffneten Hubertushauses geht auf die Druckerei Wild + Laue zurück, die ein Hirschkreuz im Firmenwappen trug. Hildebrand nennt noch einen Grund, warum das Graphische Viertel nun wie Phönix aus der Asche stieg: "Die Eigentumsfragen konnten oft erst in den letzten Jahren geklärt werden. Zum Beispiel hatten wir das Hubertushaus von der italienischen Stiftung Anna Boletti erworben."
© LVZ-Online, 11.03.2010, 23:46 Uhr