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Beurlaubte Wasserwerke-Chefs sollen Aufklärung ihrer Finanzgeschäfte behindert haben
Klaus Staeubert
Leipzig. Die Beurlaubung der Geschäftsführer der Kommunalen Wasserwerke Leipzig
(KWL), Andreas Schirmer und Klaus Heininger, hat unterschiedliche
politische Reaktionen ausgelöst. Während die Grünen gestern die
Suspendierung der beiden Manager begrüßten, verwies die Linkspartei auf
den Erfolgsdruck, unter dem die kommunalen Firmen zunehmend stünden.
"Im Sinne einer ordnungsgemäßen Aufklärung der aufgekommenen
Verdachtsmomente war die sofortige Beurlaubung der beiden
KWL-Geschäftsführer durch die Gesellschafter der KWL folgerichtig",
erklärte der Vorsitzende der Ratsfraktion der Grünen, Wolfram Leuze.
Die Berichte über das Unternehmen nannte er alarmierend.
Die Kommunalmanager sollen im Jahr 2006 hochriskante Finanzgeschäfte
mit einer Risikoübernahme im dreistelligen Millionenbereich
abgeschlossen haben, ohne dass Aufsichtsrat und Gesellschafter etwas
davon erfuhren (die LVZ berichtete). Für derlei Geschäfte mit
besonderer Bedeutung sei die Gremienbeteiligung jedoch zwingend
vorgeschrieben, hieß es in Gesellschafterkreisen. Wie gestern bekannt
wurde, sollen die KWL-Chefs sogar versucht haben, die Aufklärung zu
erschweren. Als der Deal mit einer Londoner Bank zufällig bekannt
geworden war, hätten sie die Gesellschafter zunächst daran gehindert,
Bankauskünfte über die KWL einzuholen. Offiziell ist zu den Vorgängen
derzeit nichts zu erfahren. Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Müller
hatte angekündigt, über den Fakt der Beurlaubung und der Untersuchung
durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hinaus bis zur nächsten
Aufsichtsratssitzung am 8. Januar keine weiteren Erklärungen abzugeben.
"Es hinterlässt kein gutes Gefühl, wenn im Zusammenhang mit kommunalen
Betrieben von unwägbaren Risiken aus Finanztransaktionen, massiver
Pflichtverletzung und Nichtinformation des Aufsichtsrates die Rede
ist", sagte Leuze. Er begrüßte das schnelle Handeln der
KWL-Gesellschafter und die angekündigte Prüfung der in den Bilanzen
festgestellten Risiken und eventuellen Pflichtverletzungen durch
Schirmer und Heininger bis zur Aufsichtsratssitzung. Auf der soll auch
die Entlassung der beurlaubten Manager zur Debatte stehen.
"Dass ein Unternehmer unternehmerisch handelt, kann ich nicht
verurteilen", sagte Ilse Lauter, Fraktionsvorsitzende der Linken im
Stadtrat. Aus dem, was ihr bislang bekannt sei, könne sie nicht
erkennen, inwieweit der Aufsichtsrat durch Heininger und Schirmer
hintergangen worden ist. "Der Zeitpunkt der Beurlaubung hat mich sehr
verwundert", so Lauter. Aufklärung darüber wie auch über die genauen
Details zu den Vergehen, die den beiden Managern vorgeworfen werden,
erwarte sie daher von der Aufsichtsratssitzung. Bedenklich seien ihrer
Meinung nach die Umstände, unter denen die Geschäftsführer handeln.
Lauter: "Wer von den kommunalen Unternehmen immer nur große
Sicherungsbeiträge für den städtischen Haushalt erwartet, muss sich
nicht wundern, wenn die Gewinne auch aus riskanten Geschäften kommen."
Die KWL beschäftigen 580 Mitarbeiter. Gesellschafter sind zu 74,65
Prozent die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV) und
zu 25,35 Prozent der Zweckverband für Wasserversorgung und
Abwasserbeseitigung Leipzig-Land (ZV WALL).
© LVZ-Online, 28.12.2009, 23:09 Uhr