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Ein Rundgang im Paulinum mit den Architekten Torsten Fischer und Hagen Werner
Thomas Mayer
Leipzig. Still ruht der Bau. Im derzeitigen Winter ist kaum was los im und am
Paulinum, dem zentralen neu entstehenden Gebäude des
Universitäts-campus am Augustusplatz. Gerade deshalb ein
Baustellentreff mit den diensthabenden Architekten.
Die Zwangspause versetzt Torsten Fischer (45, in Dresden zu Hause)
und seinen Compagnon Hagen Werner (auch 45, aber ein Leipziger) alles
andere als in Euphorie. Da am Paulinum aber noch immer nicht die
äußeren Hüllen geschlossen werden konnten, hat die anhaltende Kälte für
Baustillstand gesorgt und wird den ohnehin sehr verspäteten Bau - die
Weihe sollte bekanntlich schon zur 600-Jahrfeier von Leipzigs
Universität im vergangenen Dezember stattfinden - noch weiter in die
Warteschleife bringen und weiß Gott nicht billiger machen.
Die Architekten, die nach der Insolvenz von Erick van Egeraats früherer
Rotterdamer EEA-Firma in die Verantwortung kamen, wollen, sie können
aber nicht. Zu tun wäre viel. Die Arbeiten am Audimax gehen nicht
voran, das Dach, das unabhängig von Urheberrechtstreitigkeiten dicht
gemacht werden könnte, ist noch immer offen. Und der Kirche-Aula-Raum
steht nach der trügerischen Möbilierung zum Uni-Fest wieder kalt und
betongrau da. "Spaß macht das nicht", sagt Torsten Werner. Den
Egeraat-Bau, den sie für einen "großartigen Entwurf" halten, als
ausführende Architekten fertig bauen zu können, sei trotzdem eine tolle
Sache.
"Irgendwann", merkt Hagen Werner an, "wird die Eiszeit vorbei sein. Und
das hoffen wir nicht nur in Bezug auf den Baufortschritt." Eher Eiszeit
herrscht nämlich auch bei der fachlichen Konversation zwischen ihnen
und Erick van Egeraat. Es könne doch keine Rede sein, seinen Entwurf
nicht so wie von ihm geplant realisieren zu wollen. Bei
Ausführungsproblemen müsse man aber nach Lösungen suchen. Auch werde
man van Egeraats Urheberrecht, was laut gerichtlichem Vergleich auch
auf jeder Bauzeichnung zu vermerken ist, wahren. Fischer und Werner
sind sich sicher, dass sie den Bau beherrschen. Groß sind schließlich
ihre Erfahrungen, schwierige Vorhaben zu einem guten Ende zu bringen.
Fischer und Werner, heißt es, die können das. Sie gelten sogar als
Feuerwehrleute ihrer Zunft, haben das zum Beispiel bei der
Fertigstellung des Ludwig-Erhard-Hauses in Berlin gezeigt.
Der baulich spektakuläre Sitz der Industrie- und Handelskammer in der
Hauptstadt entstand nach Entwürfen des britischen Architekten Nicolas
Grimshaw. Der 180 Millionen Euro teure Bau kam zwischenzeitlich auch in
Turbulenzen, bis die beiden Architekten aus Sachsen die Sache in die
Hand nahmen. Hoch gelobt sind ebenso ihre Arbeiten an Berliner
Ministeriumsbauten. Fischer und Werner beschäftigen in fünf Büros in
Leipzig, Dresden und Berlin insgesamt 44 Mitarbeiter.
Auf der aktuellen Liste der Aufträge steht neben dem Paulinum in
Leipzig mit seiner aktuell geplanten Bausumme von nunmehr 55 Millionen
Euro ein Vier-Sterne-Hotel am Potsdamer Platz in Berlin (Fertigstellung
2010/38 Millionen Euro). Fischer und Werner bauten auch im
Vergnügungspark Belantis. "Wer kann schon von sich behaupten, der
Baumeister einer Pyramide und eines Schlosses zu sein?", fragt Fischer.
Und wer - was zu ergänzen wäre - darf heute schon einen Innenraum, der
einer mittelalterlichen Hallenkirche entsprechen wird, fertigstellen?
Bleibt vor allem eine interessierende Frage: Wann wird dieser Bau
fertig? Dazu Torsten Fischer: "Zu großen Teilen 2010 - es sei denn, es
kommt zu einem juristisch ausgesprochenen generellen Baustopp, was
keiner hofft, aber noch immer nicht auszuschließen ist." Mit der Weihe
des Paulinum-Innenraumes mit seiner komplizierten Architektur, mit den
Säulen und Deckengewölbe ist aber auch 2010 nicht zu rechnen.
© LVZ-Online, 28.01.2010, 23:23 Uhr