Bis zum späten Dienstagbend tagte der Aufsichtsrat der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL). Einmal mehr ging es um die Geheimgeschäfte, die die kürzlich gefeuerten Geschäftsführer Klaus Heininger und Andreas Schirmer im Jahr 2006 in London abgeschlossen hatten. Wie berichtet, droht dem kommunalen Unternehmen daraus inzwischen ein Schaden von etwa 100 Millionen Euro.
Am Dienstag entschied der Aufsichtsrat einstimmig, nun auch seinerseits Strafanzeige gegen Heininger und Schirmer zu stellen. Vor zwei Wochen hatten das bereits Oberbürgermeister Burkhard Jung sowie die Gesellschafter von der Stadt Leipzig (LVV) und dem Wasser- und Abwasserzweckverband ZV WALL getan. Wie die LVZ exklusiv berichtete, leitete Sachsens Antikorruptionseinheit Ines schon ein offizielles Ermittlungsverfahren ein.
Ebenfalls einstimmig beschlossen wurde, dass Rainer Prigge zum zweiten Geschäftsführer der KWL berufen wird. Der 65-jährige Kaufmann aus der Nähe von Lüneburg ist genau wie der am 8. Januar ernannte Volkmar Müller ein Finanzfachmann. Prigge arbeitete lange als Leiter der Revision sowie als Kaufmännischer Geschäftsführer bei einer Schweriner Tochter der Hamburger Gaswerke. Er und Müller werden die Spitzenpositionen zunächst nur übergangsweise ausfüllen, „um in einem Auswahlverfahren ohne Zeitdruck die Führung der Gesellschaft neu zu ordnen", so der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller.
Im Aufsichtsrat ging es auch um einen dreiseitigen Brief, den Heininger vergangene Woche zu seiner Verteidigung verschickt hatte. Grundtenor: Die LVV-Spitze sowie Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, die seit 2006 die Bilanzen für die Wasserwerke erstellten, hätten von den risikoreichen CDO-/CDS-Geschäften in London gewusst. Zwar stand in den Bilanzen tatsächlich alle Jahre wieder ein gleichlautender Satz, der sich auf frühere Cross-Border-Leasing-Geschäfte der KWL bezog. Er lautete: „Zur Optimierung dieser Transaktionen wurde im Jahr 2006 ein Kreditsicherungsderivat mit der UBS London abgeschlossen."
Damit seien aber allein die CDS-Versicherungen für das Cross-Border-Leasing der KWL gemeint gewesen, so die Vertreter von Ernst & Young. Auch LVV-Vertreter präsentierten Dokumente und E-Mails, um zu belegen, dass der Gesellschafter nichts von den hoch spekulativen CDO-Geschäften wusste, die über geheime Konten abgewickelt wurden.