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Heininger packt über Millionenbestechung aus - Ex-KWL-Chef wollte fürs Alter vorsorgen
Jens Rometsch
Leipzig. Eine Augenkrankheit und die Altersvorsorge - diese Gründe hat der inhaftierte Klaus Heininger, Ex-Chef der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL), dafür angegeben, dass er sich mit 3,7 Millionen Euro bestechen ließ. Die Leipziger Volkszeitung konnte jetzt die Protokolle der beiden Vernehmungen Heiningers am 3. und 7. Juni einsehen.
Der 50-Jährige sagte den Ermittlern unter anderem, dass die Idee für ein englisches Leasinggeschäft über das Abwassernetz der KWL im Jahr 2005 von den Finanzarrangeuren Jürgen Blatz und Berthold Senf gekommen sei. Bei einem Vier-Augen-Gespräch in München habe Senf ihm seinerzeit geraten, auch mal an die eigene Altersvorsorge zu denken. "Ich habe dann den Fehler begangen in meinem Leben, dem in gewisser Art und Weise zuzustimmen", sagte Heininger. Wochen später sei er nach einem Hinweis von Senf nach Zürich zu dessen Firma Value Partners gereist. Von dort fuhren alle drei gemeinsam nach Liechtenstein, wo ein diskreter Finanzvermittler ein Treuhandkonto für Heininger bei einer örtlichen Volksbank einrichtete. "Eine Viertelstunde hat das gedauert."
Den Betrag von 900.000 Euro, den Value Partners auf das Konto einzahlte, habe Senf bestimmt. Der Beschuldigte erklärte weiter, er hätte 2005 befürchtet, dass sein KWL-Geschäftsführervertrag im nächsten Jahr nicht verlängert werden sollte. Grund für diese Annahme seien alte Probleme um frühere Cross-Border-Leasing-Deals gewesen, welche auch Blatz und Senf arrangiert hatten.
Die zweite "Zuwendung" über 3,25 Millionen US-Dollar im Jahr 2006 sei fast analog abgelaufen. Jedoch habe er im Februar noch eine schwere Augenkrankheit bekommen, die mehrere Operationen erforderte und ihn "auch psychisch recht aus der Bahn" warf. Heininger: "Ich wäre fast erblindet. Vor dem Hintergrund dieser Unsicherheit ist es für mich nur eine Erklärung, keine Entschuldigung, als mal wieder Senf auf mich zukam und den Betrag nannte, ich dann diese Entscheidung getroffen hatte, die fatal war. Möglicherweise auch mit einer gewissen Existenzangst, was passiert jetzt, wenn ich nicht mehr arbeiten kann, zu Hause rumsitze, blind bin, nicht mehr funktioniere." Die dazugehörige CDO/CDS-Geschäfte verteidigte Heininger. Sie können die KWL nun bis zu 290 Millionen Euro kosten.
© LVZ-Online, 10.07.2010, 08:39 Uhr