Citynews
Kinowelt will Hollywood Konkurrenz machen
Sabine Schanzmann-Wey
Marktanteil soll 2010 verdoppelt werden
Leipzig. Gut eineinhalb Jahre nach dem Verkauf an die französische Gruppe Canal Plus will die Leipziger Kinowelt ihre Marktanteile kräftig ausbauen. Wie Geschäftsführer Wolfgang Braun sagte, sollen auch eigene Filmprojekte entwickelt werden.
"Canal Plus will in Europa eine Einheit aufbauen, die gegen die übermächtigen Hollywood-Studios bestehen kann", sagt Wolfgang Braun, der seit Juli dieses Jahres an der Spitze der Kinowelt steht. Mit Frankreich, Großbritannien und Deutschland sei der Konzern nun in den wichtigsten europäischen Film-Ländern vertreten. Ihn habe das Konzept daher überzeugt, sagt Medienexperte Braun, der einst mit UCI die ersten Multiplex-Kinos aufbaute - unter anderem in Günthersdorf - und über 16 Jahre lang die Geschäfte der Walt Disney Company in Deutschland leitete. Zuletzt hatte er mit More Movies eine eigene Produktionsfirma gegründet.
Kinowelt sei auch nach der Übernahme ein lokal unabhängig agierendes Unternehmen mit einem starken Partner im Rücken, betont Braun. Mit diesem sollen die Marktanteile deutlich ausgebaut werden. "Unser Ziel ist es, der führende unabhängige Filmverleiher in Deutschland zu werden", sagt der 56-Jährige. Derzeit liegt der Marktanteil von Kinowelt bei etwa zwei Prozent. Im kommenden Jahr soll er bereits verdoppelt werden. Marktführer Constantin liegt bei rund acht Prozent.
Kinowelt stützt sich bei dem Vorhaben künftig auf drei Säulen. Zum einen werden Filme im Verbund mit Canal Plus eingekauft. Dazu gehört zum Beispiel Roman Polanskis "The Ghost", den Kinowelt im kommenden Frühjahr in Großbritannien und Deutschland herausbringen wird. Zum anderen erwerben die Leipziger weiterhin selbst deutsche und internationale Filme wie "Micmacs" von "Amélie"-Regisseur Jean-Pierre Jeunet oder "Männer, die auf Ziegen starren" mit George Clooney, die ebenfalls Anfang 2010 in die Kinos kommen sollen. Darüber hinaus will Kinowelt künftig eigene Filme finanzieren beziehungsweise ko-produzieren. "Wir wollen mit Produktionsfirmen Projekte entwickeln", sagt Braun. Dabei setzt der Geschäftsführer auf die steigende Beliebtheit des deutschen Films.
Insgesamt kann die Branche trotz Krise von einem boomenden Kino-Markt profitieren. In den ersten neun Monaten 2009 stiegen die Besucherzahlen um 17,4 Prozent. Dies liegt nach Angaben des Kinowelt-Chefs unter anderem an den neuen 3D-Filmen. Dafür sei das Publikum auch bereit, mehr zu bezahlen. "Nächstes Jahr werden sehr viele 3D-Filme kommen", ist sich Braun daher sicher. Kinowelt selbst schickt mit dem Horrorstreifen "Piranhas" und der Schildkröten-Geschichte "Around the world in 50 years" zwei Streifen ins Rennen.
Insgesamt habe es in diesem Jahr eine sehr positive Umsatzentwicklung gegeben, sagt Braun, ohne jedoch - mit Verweis auf die Konzernmutter - Zahlen zu nennen. Am Standort Leipzig sind 129 Mitarbeiter beschäftigt. Kinowelt-Gründer Michael Kölmel hatte das Unternehmen nach der Insolvenz mit Krediten der Sparkasse Leipzig wieder erworben und den Firmensitz von München hierher verlagert. "Wenn wir Rat brauchen, fragen wir ihn", sagt Braun über Kölmel. Ansonsten hat dieser mit der Kinowelt nichts mehr zu tun, besitzt aber noch Firmenteile wie den Pay-TV-Sender Kinowelt TV und die Zweitausendeins-Gruppe.
Beitrag vom 23. Oktober 2009
© LVZ-Online, 23.10.2009, 15:05 Uhr