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Klaus Heininger - Abruptes Ende einer steilen Karriere
Andreas Tappert
Leipzig. Als der Münchner Klaus Heininger im Februar 1997 nach Leipzig kam, wurde er ein Überflieger: Nachdem er im Westen eine Betriebswirtschaftslehre im idyllischen Passau absolviert und bei mehreren kleinen Firmen gearbeitet hatte, stieg er im Osten zum kaufmännischen Prokuristen der Hallenser Umwelttechnik AG auf und wurde schon mit 36 Jahren kaufmännischer Geschäftsführer der damals 850 Mitarbeiter starken Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL).
In dieser Position installierte Heininger ein äußerst umstrittenes Preissystem für Wasser und Abwasser, das die Leipziger Unsummen kostet, die KWL aber zu einer "Bank mit Wasseranschluss" machte. Die Gewinne flossen so üppig, dass er den kommunalen Gesellschaftern jährlich stattliche Gewinne überweisen konnte - und entsprechend hofiert wurde. Zusätzlich häufte er bei den KWL Rücklagen von rund 180 Millionen Euro an - den Grundstein für die späteren Millionen-Wetten in London.
Als Leipzig in den Jahren 2001/3 die umstrittenen Cross-Border-Leasinggeschäfte (CBL) abschloss, war Heininger der große Strippenzieher im Hintergrund: Er war inzwischen auch Finanzgeschäftsführer der Leipziger Verkehrsbetriebe und verleaste den größten Teil der Leipziger Infrastruktur nach Übersee - mit enormen Risiken für die Stadt. Als die USA die Steuerschlupflöcher für diese CBL-Geschäfte schlossen, initiierte Heininger 2006 weitere internationale Finanztransaktionen. Offiziell wollte er damit die Risiken der CBL mindern - doch er ging hoch spekulative Wetten ein. Wer ihn kennen gelernt hat, kann sich nicht vorstellen, dass er dies ohne Billigung des Stadtkonzerns LVV und des Rathauses tat - doch dort bestreiten die Akteure jegliches Mitwissen. Heininger signalisiert, dass er die Billigung beweisen könne.
Heininger verfügte bei den KWL über ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von etwa 270 000 Euro. Als 2007 die weltweite Finanzkrise ausbrach, verwandelten sich die Londoner Finanzwetten in Dynamit - sein Stern begann zu sinken. Ein halbes Jahr vor dem Bekanntwerden der Fehlspekulationen soll er sich von seiner vermögenden Lebensgefährtin getrennt haben - böse Zungen behaupten, er wolle damit einen Teil seines Privatvermögens vor Schadenersatzforderungen schützen. Seitdem die Medien deutschlandweit über den Fall berichten, kann sich Heininger nirgends mehr sehen lassen. In Leipzig sollen ihn Passanten auf der Straße erkannt und attackiert haben, sogar in München werde er geschnitten, heißt es. Zuletzt wurde er in Leipzig mit einem Zehn-Tage-Bart gesehen - psychisch stark angeschlagen. "Ich bin tot", soll er mit Blick auf seine weitere Karriere gesagt haben.
© LVZ-Online, 26.02.2010, 23:48 Uhr