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KWL-Skandal: Heininger wieder auf freiem Fuß
Jens Rometsch
Dresden/Leipzig. Klaus Heininger, der frühere Chef der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL), ist aus der Dresdner Justizvollzugsanstalt entlassen worden. Das teilte Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein auf Anfrage der Leipziger Volkszeitung mit. "Das Dresdner Amtsgericht hat entgegen unserem Antrag den Haftbefehl am Dienstagabend außer Vollzug gesetzt", sagte Klein.
"Wir halten diese Entscheidung für falsch, werden dagegen Beschwerde einlegen." Heininger war am 26. Februar verhaftet worden. Gegen den 50-Jährigen
läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue, Bestechlichkeit,
Bilanzfälschung und Steuerhinterziehung. Auf Kosten der KWL hatte er in
den Jahren 2006 und 2007 geheime CDO-Finanzgeschäfte mit internationalen
Großbanken abgeschlossen. Die Banken fordern deshalb bereits 210
Millionen Euro von den Wasserwerken, welche die Geheimverträge als
nichtig ansehen. Am 13. Juli findet in London eine erste Anhörung statt,
ob der Gerichtsprozess über die Gültigkeit der Verträge in London oder
in Leipzig zu führen ist.
Nach monatelanger Untersuchungshaft hatte Heininger ein Geständnis
abgelegt, von den Vermittlern der Geheimgeschäfte bestochen worden zu
sein. Etwa 3,25 Millionen US-Dollar hätten die Arrangeure Jürgen Blatz
und Berthold Senf im Jahr 2006 auf ein Geheimkonto Heiningers in
Liechtenstein überwiesen. Die Firma der Arrangeure erhielt für die
Vermittlung der CDO-Deals 28 Millionen US-Dollar Provisionen. Senf
erwarb von diesem Geld ein Anwesen in Argentinien, das fünf Millionen
US-Dollar gekostet hat.
Inzwischen gehen die Ermittler davon aus, dass Blatz und Senf zudem
bereits im Jahr 2005 Bestechungsgeld an Heininger zahlten. Damals waren
es 900000 Euro, die auf das Liechtensteiner Konto flossen. Unklar ist
noch, ob diese Zahlung im Zusammenhang mit
Cross-Border-Leasing-Geschäften in den Jahren 2002 und 2003 stand oder
im Zusammenhang mit englischen Leasinggeschäften der KWL im Jahr 2005.
Auch an diesen Deals verdienten Blatz und Senf jeweils prächtig. Das
englische Leasing war hingegen ein Fehlschlag für Leipzigs Wasserwerke.
Vorläufig wieder in Freiheit, müsse Heininger nun Meldeauflagen
erfüllen, erläuterte Klein. Der Oberstaatsanwalt kritisierte die
Entscheidung zur Freilassung deutlich. "Das Amtsgericht in seiner
Weisheit hat überraschend so entschieden. Nach Heiningers Geständnis
wird dort offenbar keine große Fluchtgefahr mehr gesehen. Wir halten die
Begründung des Amtsgerichts für unzutreffend. Wir sehen noch eine
bestehende Fluchtgefahr, und wir fürchten, dass er sich dem Verfahren
entziehen könnte." Bekanntlich liefen zwischen Heiningers Anwälten und
Justizvertretern bereits Abstimmungsgespräche über ein mögliches
Strafmaß, das im Bereich von vier bis viereinhalb Jahren liegen soll.
Verbindliche Zusagen hierzu gebe es bislang nicht, zumal noch
Ermittlungen zu etlichen offenen Fragen laufen, betonte Klein. Zudem
wurde Heininger bereits im Oktober 2009 wegen Bestechlichkeit bei den
Cross-Border-Leasing-Geschäften angeklagt.
Nach LVZ-Informationen sind die Spenden für den Fußballverein FC
Sachsen, die Blatz und Senf auf Bitten Heiningers im Jahr 2005
leisteten, in mehreren Tranchen geflossen. Auch war tatsächlich ein
hiesiger Anwalt bei dem Geldtransfer behilflich. Auf Bitten der
Staatsanwaltschaft, die nun auch zu diesem Punkt ermittelt, möchte der
FC Sachsen vorerst keine Angaben zu den Spenden machen.
© LVZ-Online, 23.06.2010, 16:54 Uhr