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LVB-Chef Hanss geht vorzeitig in Ruhestand
Jens Rometsch
Leipzig. Wilhelm Georg Hanss, Chef der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), wird das Unternehmen vorzeitig verlassen. Entsprechende Informationen der LVZ bestätigten die Verkehrsbetriebe am späten Mittwochabend. In einem Brief an Aufsichtsratschef Josef Rahmen habe Hanss unter anderem mitgeteilt: „Ich habe mich dazu entschlossen, zum Ende des Kalenderjahres 2010 die mir mögliche Regelung meines Arbeits- und Dienstvertrages in Anspruch zu nehmen und nach über 17 Jahren Geschäftsführertätigkeit aus dem Unternehmen auszuscheiden. Nach der Vollendung des 60. Lebensjahres im Mai, nach über 45 Berufsjahren möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich der von mir jahrelang vernachlässigten Gesundheit zu widmen. Die Körpersignale sind nicht mehr zu ignorieren und haben mich veranlasst, so zu entscheiden.“ Der an Diabetes leidende Hanss betonte zugleich, dass er ein „gut aufgestelltes Unternehmen“ verlasse und den Mitarbeitern „enorm dankbar“ sei.
Indes dürften auch noch andere Gründe für den Rückzug gesprochen haben. Der aus Köln stammende, frühere Gewerkschaftsfunktionär wurde im Oktober 2009 wegen Bestechlichkeit in acht, Untreue und Steuerhinterziehung in jeweils vier Fällen angeklagt. Dabei ging es um die Annahme kostenloser Luxusreisen sowie Concorde-Flüge, die eine Schweizer Firma der Finanzberater Jürgen Blatz und Berthold Senf bezahlt hatte. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) erklärte Anfang 2010, sein Vertrauensverhältnis zu Hanss sei „zerstört“. Rahmen, übrigens ebenfalls gebürtiger Rheinländer, drängte aus moralischen Gründen intern schon längere Zeit auf eine Ablösung von Hanss. Dessen Vertrag als Geschäftsführer und Arbeitsdirektor (mit über 300.000 Euro Brutto-Jahresgehalt) hätte 2011 zur Verlängerung angestanden. Offenbar wollte er sich einen Machtkampf darum nicht mehr antun.
© LVZ-Online, 01.07.2010, 05:00 Uhr