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Michael Kölmel verliert Kinowelt 2011 endgültig
Guido Schäfer
Als die Leipziger Volkszeitung im Januar 2008 exklusiv den Verkauf der Kinowelt für rund 70 Millionen Euro vermeldete, war der Gründer des florierenden Medien-Unternehmens nicht nur aller finanziellen Sorgen ledig. Er schien auch sonst zufrieden, froh und glücklich, sah wie weiland Herr Kohl blühende Landschaften entstehen. "Den Franzosen hat Leipzig von Anfang an sehr gut gefallen", berichtete Michael Kölmel von den geheimen Verhandlungen, verstieg sich in dieser Annahme: "Die Stadt ist als Standort gesetzt. Die Kinowelt ist jetzt Tochter einer der 50 größten Konzerne Europas (Vivendi Universal, Red.). Für Leipzig ist das eine große Chance. Ein Umzug ist nicht geplant, das ist auch nicht mein Wunsch."
Mit dem Wissen von heute bleibt festzustellen: Der Mathematiker hat sich anno 2008 eine Gleichung mit diversen Unbekannten unterjubeln lassen, der gestern verkündete Abgang nach Berlin trifft ihn persönlich. "Diese Gerüchte gab es leider schon länger. Ich hatte auf die Konzern-Entscheidung keinerlei Einfluss, habe auch erst heute davon erfahren. Für den Medien- und Wirtschaftsstandort Leipzig ist das eine sehr schlechte Nachricht."
Das Votum von Vivendi Universal kann der 56-Jährige weder gutheißen noch nachvollziehen. "Leipzig war der Konzernleitung vielleicht zu klein, zu ungewöhnlich. Die setzen auf Metropolen wie London, Paris und jetzt Berlin. Am Ende kommt es doch auf Inhalte an. Und die haben wir auch in Leipzig gefunden."
Als Kölmel die Kinowelt verkaufte, gab es eine Klausel, die eine dreijährige Bestandswahrung beinhaltete. Demnach mussten die neuen Chefs bis 2011 von Leipzig aus operieren. Exakt mit dem Auslaufen dieser Frist werden im zweiten Quartal des kommenden Jahres die Zelte abgebrochen. Gehörte wohl von Anfang an zum Businessplan der angeblich Leipzig affinen Franzosen.
Was passiert mit den 129 Mitarbeitern vor Ort? Kölmel: "Ich nehme an, dass alle mit nach Berlin kommen dürfen, zumindest ein entsprechendes Angebot erhalten. Einige pendeln ja jetzt schon zwischen Berlin und Leipzig." Während die beiden Kinowelt-Villen in der Karl-Tauchnitz-Straße im Frühjahr nächsten Jahres neue Mieter brauchen, residiert Kölmel weiter in der benachbarten Nummer 6. "Ich bleibe in Leipzig." Grund ist nicht die gute Luft, auch nicht das plagende schlechte Gewissen, sondern: die nach wie bestehenden geschäftlichen Aktivitäten des Fußball-Freundes. Der Karlsruher führt eine Filmproduktion (Filmaufbau Leipzig) und den Verlag 2001, ist außerdem Besitzer des Zentralstadions. Die Perspektive der WM-Arena ist durch den Zuzug der von Red Bull alimentierten Fußballer glänzend.
Red Bull ist gekommen, um zu bleiben. Gilt nicht für alle.
© LVZ-Online, 11.03.2010, 23:56 Uhr