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Neubau-Streit: Unister-Chef ins Rathaus eingeladen
jr
Im Streit um die Baupläne für eine neue Firmenzentrale von Unister soll
es am Montag ein Spitzentreffen im Neuen Rathaus geben.
Oberbürgermeister Burkhard Jung sowie Baubürgermeister Martin zur
Nedden (beide SPD) haben den Unister-Chef Thomas Wagner zum Gespräch
eingeladen. Wie berichtet, liegt die 40-Millionen-Euro-Investition seit
Monaten auf Eis.
Grund ist der Wunsch des Internet-Unternehmens, bei
dem geplanten Neubau an der Goethestraße/Ecke Brühl ein zusätzliches
Stockwerk zu errichten, das 200 weiteren Mitarbeitern Platz bieten
soll. Die Stadt lehnt ein 36.8 Meter hohes Bauwerk an der Stelle ab,
weil es sich nach Ansicht der Planer nicht in die Umgebung einfügen
würde.
Detlef Schubert (CDU), Wirtschaftsstaatssekretär von Sachsen-Anhalt,
will sich morgen mit Wagner treffen. Außer von Schubert erhielt Unister
in dieser Woche auch Angebote aus Schweinfurt und aus Chemnitz für
einen Umzug der Firmenzentrale. Nach Anfragen von CDU und FDP, denen es
vor allem um die Arbeitsplätze geht, reichte gestern die Linke-Fraktion
einen Antrag für die nächste Ratsversammlung am 24. Februar ein. Laut
Stadtrat Siegfried Schlegel schlägt die Linke die Vorbereitung eines
vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens vor, das im Bedarfsfall zügig
umzusetzen sei. Damit wolle die Fraktion erreichen, dass Unister zum
Ergebnis eines Architektenwettbewerbs zurückkehrt, der im Juli 2009
stattfand. Im Stadtplanungsamt betonte Heike Scheller, dass der damals
prämierte Entwurf "sofort" eine Baugenehmigung erhielte.
Jury-Vorsitzender war seinerzeit Architekt Andreas Wolf, Professor an
der Leipziger Hochschule HTWK. Das Projekt an der Goethestraße sei
wegen seiner wirtschaftlichen und stadträumlichen Bedeutung von allen
Beteiligten "prioritär und überaus wohlwollend" behandelt worden,
erklärte Wolf gestern. Die Jury, der auch die Chefs von Unister
angehörten, habe sich einstimmig für den Entwurf des Leipziger
Architekturbüros Luka Kalkof entschieden, weil er den gemeinsamen
Anspruch, eine "qualitätvolle und nachhaltige Architektur" zu schaffen,
optimal erfüllt habe. "Explizit und einstimmig wurde die gezeigte
bauliche Dichte und Höhe des Baukörpers in diesem Sinne als
stadtverträgliches Maximum vereinbart", betonte Wolf. Klaus Füßer, Fachanwalt für Verwaltungsrecht, wies darauf hin, dass die
Stadt bei einer weiteren Ablehnung der 36,8 Meter Schadensersatz
riskiere
© LVZ-Online, 18.02.2010, 22:42 Uhr