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Rathaus: Krisengespräch zu Finanzskandal der Wasserwerke bleibt geheim
Andreas Tappert
Das Rathaus hält die jüngsten Entwicklungen im Finanzskandal der
Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) geheim. Die am Freitag kurzfristig
einberufene Sitzung des Ältestenrates (die LVZ berichtete) sei
vertraulich, teilte die Verwaltung gestern mit. Dazu werde es erst am
Mittwochabend eine Erklärung geben. Nach LVZ-Informationen plant die
Stadt, die angeschlagenen KWL mit einer Bürgschaft in Millionenhöhe zu
stützen.
Angeregt wurde diese Bürgschaft von Wirtschaftsprüfern, die
herausgefunden haben, dass die Verluste durch die missglückten
Finanzwetten der beiden entlassenen KWL-Geschäftsführer das Unternehmen
im Extremfall finanziell überfordern würden. Die Umlandkommunen, die
als Mitgesellschafter an den KWL einen Minderheitsanteil von 25,35
Prozent halten, haben bereits juristisch prüfen lassen, ob sie für
diesen Schaden aufkommen müssen. "Ein Durchgriff auf uns ist danach
sehr, sehr unwahrscheinlich", sagte Tauchas Bürgermeister Holger
Schirmbeck (SPD) gestern mit Blick auf den möglichen Maximalschaden von
290 Millionen Euro.
Gleichzeitig schränkte er ein, dass
"unwahrscheinlich nicht ausgeschlossen" heiße. "Der
Ergebnisabführungsvertrag, den die KWL mit
dem Stadt-Konzern LVV
abgeschlossen hat, regelt, dass erst einmal die LVV und dann die Stadt
Leipzig für die Schäden eintreten müssen", umriss der Tauchaer die
Position der Umlandgemeinden, zu denen neben seiner Parthestadt auch
Schkeuditz, Markkleeberg, Markranstädt, Zwenkau und weitere acht
Kommunen zählen.
In der Landesdirektion hieß es gestern, ein Haftungsausschluss der
Minderheitsgesellschafter sei nicht zwingend gegeben. "Die Frage, zu
welchen Teilen die Verluste zu tragen sind, müssen die Gesellschafter
klären", sagte Sprecher Stefan Barton.
Auch eine eventuell geplante
Bürgschaft der Stadt Leipzig müsse der Aufsichtsbehörde vorgelegt
werden. "Wir prüfen dann zunächst, welchen Beitrag der städtische
Unternehmensverbund zur Problemlösung leisten kann." Dabei werde
untersucht, ob zum Beispiel schon die Rücklagen der Stadtfirmen
aufgelöst und Abstriche an den Investitionsprogrammen vorgenommen
wurden. "In dieser Situation wäre es auch legitim, an
Leistungseinschränkungen der Stadtfirmen zu denken", so Barton. "Es ist
alles auf den Prüfstand zu stellen - bis hin zu Unternehmensverkäufen."
Erst danach könne ins Auge gefasst werden, dass Leipzig neue Schulden
macht.
Der Stadt-Konzern ist bereits dabei, Konzepte zur Bewältigung der
Finanzkrise zu erarbeiten. Die beiden Geschäftsführer wollen freiwillig
keinen einzigen Euro an die Gläubiger zahlen. Intern gehen beide aber
davon aus, dass dennoch ein hoher zweistelliger oder vielleicht sogar
dreistelliger Millionenbetrag fällig wird.
© LVZ-Online, 01.02.2010, 23:08 Uhr