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Sachsen-Anhalt wirbt um Unister - Oberbürgermeister Jung weist Vorwürfe zurück
Jens Rometsch
Foto: Wolfgang Zeyen
Detlef Schubert (CDU), Wirtschaftsstaatssekretär von Sachsen-Anhalt, nahm am Montag Kontakt zu Unister-Chef Thomas Wagner auf.
Leipzig. Im Streit um die neue Firmenzentrale von Unister hat das Leipziger Internet-Unternehmen am Montag ein verlockendes Angebot aus Sachsen-Anhalt erhalten. Es geht darum, ob Firmenteile in das Nachbar-Bundesland verlegt werden können.
Einst waren sie beide Beigeordnete in Leipzig. Detlef Schubert (CDU) leitete das Wirtschaftsdezernat, konnte unter anderem die Ansiedlung des BMW-Werks auf der Habenseite verbuchen. Schubert ist mittlerweile Wirtschaftsstaatssekretär in Sachsen-Anhalt. Sein früherer Amtskollege Burkhard Jung (SPD) - seinerzeit zuständig für Schulen, Soziales und Sport - wurde zum Leipziger Oberbürgermeister gewählt.
Am Montag äußerten sich beide zum Streit um die neue Firmenzentrale von Unister. Allerdings aus recht unterschiedlicher Perspektive. Wie die LVZ am Samstag exklusiv berichtete, liegt diese 40-Millionen-Euro-Investition seit Monaten auf Eis. Bauherr und Stadtplaner können sich nicht über ein zusätzliches Stockwerk einigen, in dem das schnell wachsende Unternehmen 200 weitere Mitarbeiter einquartieren will. "Ein Unding" sind die Verzögerungen für Schubert. "Ich habe das in der Zeitung gelesen und sofort bei Unister angerufen", sagte der Wirtschaftsstaatssekretär. Noch diese Woche werde er sich mit Firmenchef Thomas Wagner in Leipzig treffen "und einige interessante Dinge in Ruhe bereden". Unister-Sprecher Konstantin Korosides bestätigte den Termin: "Uns wurde angeboten, die Firmenzentrale oder Teile der Firma nach Sachsen-Anhalt zu verlegen - mit Investitionsförderung und weiteren Fördermaßnahmen."
Anders reagierte Schuberts früherer Amtskollege Jung auf die Kritik von Unister-Chef Wagner. Die Verzögerungen resultierten "aus einseitig durch die Firma Unister vorgenommenen Veränderungen von Projektinhalten sowie aus dem inzwischen deutlich größer beabsichtigten Bauvolumen", erklärte Jung in einer Stellungnahme. "Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz in Leipzig, aber auch für erfolgreiche Jungunternehmer gilt die Baugesetzgebung. Wir wollen auch in hundert Jahren noch stolz auf die Bauten in unserer Innenstadt sein", so der Oberbürgermeister: "Ich appelliere nochmals an Herrn Wagner, sich einer Lösung nicht zu verschließen, die vor allem den rechtlichen aber auch gestalterischen Belangen gerecht wird."
Falsch sei unter anderem Wagners Vorwurf, nach einem Treffen mit Jung im November habe Baubürgermeister Martin zur Nedden (SPD) "wochenlang mit Terminproblemen geglänzt". Richtig sei, dass zur Nedden schon am nächsten Tag und allein von September bis Dezember an vier Gesprächen mit Unister teilnahm. Unrichtig sei auch der Vorwurf, Jung habe sich nach dem Firmenbesuch um nichts gekümmert. Vielmehr habe er alle Entscheidungen, die in seinem "Ermessensspielraum möglich waren", sofort herbeigeführt.
© LVZ-Online, 15.02.2010, 22:52 Uhr