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Trotz Markthalle - Händler wollen in der City bleiben
Angelika Raulien
Leipzig. Stadträte - etwa die Grünen - sind nicht abgeneigt, und viele Leipziger schon ganz happy: Auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz soll eine Großmarkthalle entstehen. Den ambulanten Händlern des Leipziger City-Frischemarktes stößt das allerdings bitter auf. Und am vergangenen Freitag hatten sie es pappesatt: Noch bevor sie in der City ihre Stände für den Freitagsmarkt flott machten, ging ein Petitionspapier von Hand zu Hand.
Denn mit dem Bau des festen Großdomizils soll es dann - so die Vorstellung im Rathaus - zumindest im Herzen der Stadt keinen solchen Handel unter freiem Himmel mehr geben. „Natürlich sind wir im Vorfeld der Planungen von amtlichen Stellen und auch im Wahlkampf voriges Jahr von mancher Partei gefragt worden, was wir davon halten. Und die meisten von uns haben betont, unabhängig von einer Großmarkthalle weiterhin im Zentrum bleiben zu wollen. Alles andere wäre für uns unrentabel. Aber das nahm bisher nie jemand wirklich zur Kenntnis“, sagt etwa Roland Schmidt (Thüringer Wurst), der zugleich Mitglied im Handelsverband Sachsen ist und sich seit 20 Jahren am Leipziger Wochenmarkt beteiligt. „Der Marktplatz in Leipzig ist nunmal auch jahrhundertelange Tradition. Eine Platzverlegung wäre für uns tödlich. Die Beispiele in anderen Städten Ostdeutschlands haben es gezeigt, guckt man etwa nach Riesa, Chemnitz, Magdeburg, Dresden, Torgau - bislang bewährte sich da noch keine Markthalle so richtig“, argumentiert auch Oliver Heinrich (Gewürze).
Angebote, mit unters Dach der künftigen Großmarkthalle zu ziehen, lehnten die meisten Händler erneut kategorisch ab. „Der Standort ist für uns auch völlig uninteressant, den kreuzen keine Touristenströme. Wir und unsere Kunden sind auf eine zentrale Lage angewiesen“, stellten Ingrid Storl (Käse Kirschbaum) und Karsten Leipnitz (Hähnchen Krause) klar. „Hinzu kommt, dass wir uns angesichts der wirtschaftlichen Situation solche Experimente nicht erlauben können“, so Heinrich, dem der Glaube an den großen Umsatz an einem festen, täglich zu öffnenden und teureren Markthallenstand „schlicht fehlt“.
Bis zum Abend des Markttages unterschrieben 95 ambulante Händler sowie umliegende Gewerbetreibende die Petition, die den Verbleib derer, die es möchten, auf dem traditionellen Leipziger Handelsort „Marktplatz“ fordert. Zudem dringen sie in dem Papier darauf, in künftigen Zulassungsbescheiden für ihre Mobile und Stände den selbigen statt wie bisher ein saloppes „Innenstadt“ zu vermerken. Die Petition soll bei einem Forum zur Leuschnerplatz-Bebauung kommenden Dienstag um 18 Uhr im Rathaus offiziell übergeben werden.
© LVZ-Online, 17.03.2010, 11:23 Uhr