23.05.2012 18:12 Uhr
 

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Fünf Frauen aus Frust gemordet - Lebenslange Haft für 65-Jährigen

  Foto: dpa Lebenslang muss ein 65-Jähriger für Morde an fünf jungen Frauen aus dem Großraum Hamburg ins Gefängnis. (Symbolfoto)
Kiel. Jahrzehntelang lebte er ein unauffälliges Leben und bewahrte sein grausames Geheimnis. Auch im Saal des Kieler Landgerichts möchte sich der 65 Jahre alte Serienmörder wohl am liebsten verstecken, als das Urteil fällt: Lebenslange Haft für Morde an fünf jungen Frauen aus dem Großraum Hamburg. Die jüngste war erst 15, die älteste 22 Jahre alt. Er hat sie getötet und missbraucht, um seine sexuelle Lust zu befriedigen, urteilt das Gericht am Mittwoch. Der Mann hat gestanden und gilt als voll schuldfähig. Die besondere Schwere der Schuld mochte das Gericht aber nicht erkennen.

„In allen fünf Fällen liegt Mord vor“, sagt der Vorsitzende Richter Jörg Brommann. Er schildert den zweifachen Vater und Großvater als einen Mann, der sich schon als Jugendlicher Frauen unterlegen fühlte und Gewaltfantasien entwickelte. „Er träumte nachts im Halbschlaf, Mädchen mit Gewalt zu nehmen und fühlte das wie einen Zwang. Dabei stellte er sich Situationen vor, in denen die Mädchen sich nicht wehren oder nicht schreien konnten.“

Die heimlichen Träume machte der junge Mann zur brutalen Realität. Als er das erste Mal zuschlug, war er gerade 22 Jahre alt - so alt wie sein Opfer. Er war unmittelbar vor allen Taten frustriert über Frauen. Die Opfer fielen ihm zufällig ins Auge und erregten ihn sofort, stellte das Gericht fest. Vier Frauen erwürgte der Mann mit bloßen Händen. Dann verging er sich an den Leichen, in einem Fall vergeblich. Nur sein letzter Mord am 3. Februar 1984 wich vom Schema ab: Er vergewaltigte die junge Schwesternschülerin und erdrosselte sie anschließend mit ihrem Schal, um unentdeckt zu bleiben.

Fast genau 28 Jahre nach dem letzten Mord sitzt der Täter im Gerichtssaal 232, mit verschränkten Armen, rundem Rücken, Kopf und Blick meist gesenkt: ein groß gewachsener Mann, der mit seiner betagten Mutter in einem Reihenhaus in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) wohnte. Ein Muttersöhnchen, ein Frauentyp, aber etwas langweilig, beschrieben ihn Zeuginnen. Der Maurer lebte ein unscheinbares Leben, mit Arbeit, Fußball, Kindern und Enkelkindern - bis zu seiner Entdeckung im April 2011.

„Er war schon kurz nach den ersten drei Taten in der Lage, eine ganz normale Beziehung zu führen“, sagt Brommann. Der Maurer hatte 1969 zwei Mal und 1970 ein Mal zugeschlagen. Dann heiratete er. Doch seine sexuellen Wünsche konnte er auch in der Ehe nicht realisieren, so der Richter. 1972 mordete der Maurer zum vierten Mal und lebte dann bis zum fünften Mord zwölf Jahre straffrei.

Nach jeder Tat hatte er Schuldgefühle, aber der Gedanke an diese Art Sex ließ ihn nicht los. Einem Gutachter bekannte er: „Das Schlimmste war, nicht über das Erlebte sprechen zu können.“

Nur durch einen Zufall waren die Fahnder auf die Spur des Frauenmörders gekommen. Sie hatten sich den ungeklärten Mord an der Schwesternschülerin noch einmal vorgenommen und werteten DNA-Spuren vom Tatort neu aus. Beim Vergleich von Speichelproben von 150 Männern war die 88. der Treffer: Sie gehörte dem Bruder des Täters und führte so zu dem Mann.

Der 65-Jährige gestand die Tat, und zur Überraschung der Ermittler vier weitere, die sonst wohl nie aufgeklärt worden wären. Vor allem das wertete das Gericht zu seinen Gunsten und stellte deshalb nicht die besondere Schwere der Schuld fest. Der Angeklagte hatte während des Prozesses geschwiegen. Erst im Schlusswort erklärte er: „Ich bin in den letzten 20 Jahren ein ganz anderer Mensch geworden, es tut mir sehr leid.
 
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