Wirtschaft
Heiningers drei große Finanzdeals
Jens Rometsch
Foto: Volkmar Heinz
Mit Geld von schwarzen Konten zahlte der Ex-KWL-Chef Verluste seiner Geheimgeschäfte.
Cross Border Leasing (CBL): Im März 2003 verleaste Heininger das KWL-Trinkwassernetz an den US-Konzern Verizon. Wertumfang: 650 Millionen Euro. Die KWL erhielten daraus 15,4 Millionen Euro Gewinn. Der Rückkauf des Netzes soll durch zwei Anleihen bei den US-Konzernen MBIA und General Electrics im Jahr 2033 erfolgen. Das Problem: Die MBIA-Anleihe über 250 Millionen Euro hat inzwischen stark an Wert verloren. Die KWL müssten den Wertverlust im Jahr 2033 ausgleichen, um das Trinkwassernetz zurückkaufen zu können. CBL war der erste von drei großen Finanzdeals, die Heininger mit Hilfe der Arrangeure Jürgen Blatz und Berthold Senf schloss. Die Staatsanwaltschaft klagte Heininger im Oktober 2009 an, weil er bei CBL durch Blatz und Senf bestochen worden sein soll (Dubai-Reisen, Concorde-Flüge, Olympia-Spende).
Englisches Leasing (UK-Lease): Im Mai 2005 verleaste Heininger Teile des KWL-Abwassernetzes an eine englische Tochter der Bayrischen Landesbank. Wertumfang: 191 Millionen Euro. Von BLatz und Senf erhielt er dafür 900 000 Euro Bestechungsgeld "zur Altersvorsorge". Der Verbleib von 3,5 Millionen Euro Provisionen ist noch ungeklärt. Für die KWL war das UK-Lease wahrscheinlich ein Verlustgeschäft, denn bei der Auflösung der Verträge im Jahr 2008 (auf Wunsch der Bank) bezahlten die KWL fast fünf Millionen Euro Vorfälligkeitsentschädigung.
Collateralized Debt Obligation (CDO): Von Juni 2006 bis März 2007 schloss Heininger vier CDO-Finanzwetten mit den Londoner Niederlassungen von UBS-Bank, Depfa sowie Landesbank Baden-Württemberg ab. Die KWL treten dabei als Versicherer für 160 risikoreiche Anlagen im Wertumfang von 290 Millionen Euro auf. Die Banken zahlten den Wasserwerken dafür 36 Millionen Euro Provisionen, die aber nie bei den KWL ankamen. Stattdessen ging ein Großteil an Blatz und Senf, die Heininger diesmal mit 3,25 Millionen US-Dollar bestachen. Außerdem wurden mit dem Geld zehn Millionen Euro teure Versicherungen angeschafft, die das Risiko für die alten CBL-Depots bis zum Jahr 2014 oder 2017 tragen. Zudem finanzierte Heininger mit den Provisionen die Vorfälligkeitsentschädigung für das UK-Lease und richtete noch ein Pufferkonto für künftige CDO-Ausfälle ein. Senf kaufte sich von seinem Anteil ein Anwesen in Argentinien für fünf Millionen US-Dollar.
© LVZ-Online, 22.07.2010, 23:38 Uhr