Wirtschaft
Leipzig kämpft um Spielemesse: Wichtiger Aussteller sagt Teilnahme an GC Online ab
Markus Werning
Foto: Wolfgang Zeyen
43.000 Besucher kamen im verganegnen Jahr zur Games Convention Online (GCO) nach Leipzig.
Leipzig. Auf die Leipziger Computerspielemesse Games Convention Online (GCO) kommen schwerere Zeiten zu. Einer der wichtigsten deutschen Aussteller hat bereits abgesagt. Ein zweiter lässt die Entscheidung noch offen, entschied sich aber schon für die Konkurrenzveranstaltung Gamescom in Köln. Die Leipziger Messe gibt sich trotzdem zuversichtlich und kämpft um neue Aussteller, wie Messechef Martin Buhl-Wagner gestern sagte.
Zur Premiere der Games Convention Online im vergangenen Jahr kamen 43.000 Besucher nach Leipzig. 74 Firmen, Verbände sowie Institutionen stellten sich und ihre Produkte vor. Die beiden wichtigsten deutschen Onlinespiele-Entwickler Gameforge und Bigpoint waren Partner der Messe und zwei der größten Aussteller. 2010 wird es anders sein. "Wir haben uns dieses Jahr gegen einen Stand im Publikumsbereich entschieden", sagte Gameforge-Sprecherin Brigitte Kötting. In Köln hat sich das Unternehmen zwar noch nicht angemeldet, aber eine Fläche reservieren lassen.
Bigpoint wird dagegen auf jeden Fall auf der Gamescom ausstellen, wie das Unternehmen mitteilte. Firmen-Chef Heiko Hubertz sitzt sogar im Beirat der Messe. Ob die Firma auch nach Leipzig kommt, könne aber noch nicht gesagt werden, teilte Sprecherin Janine Griffel mit. Zwar war Bigpoint 2009 auf beiden Veranstaltungen gewesen. Aber auf Dauer könne niemand auf zwei Hochzeiten tanzen, hatte Hubertz damals gesagt.
Trotzdem rechnet sich Leipzigs Messe-Geschäftsführer Buhl-Wagner gute Chancen für die Games Convention Online aus. Viele wichtige Unternehmen wollten kommen. Die Akquise sei noch nicht abgeschlossen und laufe auf Hochtouren. Tatsächlich haben führende Spiele-Entwickler aus Korea zugesagt. "Leipzig konzentriert sich auf Onlinespiele", sagte In-Sung Park vom Korea Business Center in Hamburg, der südkoreanischen Außenhandels- und Investitionsförderungsstelle. "Deshalb lohnt sich die Games Convention Online für uns." Aus dem asiatischen Land würden zehn bis 15 Spiele-Entwickler auf der Messe ausstellen.
Die Besucher der Games Convention Online können sich daher auf viele Premieren im Juli freuen: In Korea sind Onlinespiele bereits viel weiter verbreitet als in Deutschland. Viele Unternehmen entwickeln neue Programme, die in Europa aber oft noch nicht bekannt sind. 2009 wurden in Leipzig 150 Spiele gezeigt, darunter 50 Welt- und Europapremieren. Viele kamen aus Asien.
Koreanische Unternehmen werden zwar auch einige Wochen später in Köln ausstellen. "In Leipzig bekommen wir aber mehr Aufmerksamkeit", sagte Park. Denn auf der Gamescom bestimmten im vergangenen Jahr große Konzerne wie Ubisoft und Electronic Arts das Bild. Anbieter von Onlinespielen wurden deutlich weniger beachtet. Wegen der Games Convention Online dagegen berichteten Medien aus dem In- und Ausland über Onlinespiele. Einige zum ersten Mal.
Im Gegensatz zu klassischen Computerspielen werden sie komplett über das Internet vertrieben. Oft sogar kostenlos - deshalb werden sie auch von weitaus mehr Menschen gespielt. Die Unternehmen verdienen ihr Geld über Werbung oder über Zusatzfunktionen in den Spielen, die Geld kosten. Kleine Beträge zwar nur. Aber Bigpoint und Gameforge haben jeweils weltweit mehr als 100 Millionen registrierte Spieler. Wenn nur zehn Prozent für einige Euro zum Beispiel bessere Waffen für ihre Figuren in den Computerprogrammen kaufen, machen die Unternehmen einen Millionen-Umsatz.
Die Organisatoren der Games Convention hatten im vergangenen Jahr noch einmal von vorn anfangen müssen. Denn trotz des Erfolgs der Messe wechselte ein großer Teil der Spielebranche und ihre Interessensvertretung, der Verband BIU, nach Köln. Unternehmen wie Ubisoft und Electronic Arts stellen seitdem auf der Gamescom aus. Leipzig konzentriert sich deshalb auf die Onlinespiele - deren Entwickler besetzen zwar noch eine Nische innerhalb der Branche. Den Unternehmen wird aber von Marktforschern in den nächsten Jahren ein großes Umsatzwachstum vorausgesagt. Davon geht auch der BIU aus. Deswegen sollen die Unternehmen in Köln extra Ausstellungsfläche bekommen.
© LVZ-Online, 02.03.2010, 22:34 Uhr