Leipziger Hütten im Deutschen Alpenverein
Hütten der Sektion Leipzig im Deutschen Alpenverein - Teil 3: Stubaier Alpen
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Foto: Privat
Die Sulzenauhütte in den Stubaier Alpen.
Die zweitälteste Sektion im Deutschen Alpenverein (DAV) - die Leipziger - kann auf eine bewegte, über 140-jährige Geschichte zurückblicken. Schon bald nach ihrer Gründung begann sie mit dem Bau von Berghütten in den Alpen und schnell avancierten die Leipziger zu einer der hüttenreichsten Sektionen. Zwei Weltkriege, Naturkatastrophen und Verbote brachten einschneidende Veränderungen. In einer kleinen Serie sollen die aktuellen wie einstigen Hütten vorgestellt werden. Teil 3: die Sulzenauhütte in den Stubaier Alpen.
Der Vertrag von Saint Germain von 1920 regelte im Zuge des Zweiten Weltkrieges die neue Grenzziehung zwischen Italien und Österreich. Damit war für den Deutschen Alpenverein die Enteignung von insgesamt 26 Alpenhütten im heutigen Südtirol verbunden. „Nach dieser Entscheidung war die Sektion Leipzig besonders belastet, schließlich verlor sie als eine der hüttenreichen, großen Sektionen des DAV alle bis 1913 entstandenen Hütten mit einem Mal“, berichtet Matthias Ladusch von der Leipziger Alpenvereinssektion. Verständlicherweise hätten die Mitglieder noch einige Jahre auf eine völkerrechtliche Lösung hofften, schließlich gehörten die Hütten einem Verein und nicht dem Deutschen Reich. Letztlich vergeblich.
Foto: Google Earth / Grafik: Enzo Forciniti
„Doch der Wunsch in der Leipziger, einen neuen Standort zu suchen, war 1924 groß“, blickt Ladusch zurück. Schließlich sei das Sulzenautal in den Stubaier Alpen in Betracht gezogen und eine Einigung mit den Sektionen Hannover und Lübeck getroffen worden. Man erwarb in größeres Grundstück mit 2000 Quadratmetern von den Familien Schöpf, die bis heute als Hüttenpächter arbeitet, und zu einem kleineren Teil von der Familie Bacher.
1926 sei größtenteils der Ausbau, ein Jahr später die Eröffnung über die Bühne gegangen. Doch auch diese Hütte wurden nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet. „Am 26. Juni 1951 übergaben die Alliierten sämtliche dieser Hütten an den Österreichischen Alpenverein in Innsbruck“, hat der Bergfan recherchiert. Eine Neugründung der Sektion Leipzig habe nur in der Bundesrepublik erfolgen können, in der DDR sei der DAV immer verboten gewesen. „Die Neugründung einer Exilsektion in Wuppertal 1953 – später nach ihrem Umzug als ‚Sektion Leipzig in München’ in das Vereinsregister eingetragen – war auch Voraussetzung, dass die Sulzenauhütte 1956 durch Unterpachtvertrag wieder betrieben werden konnte“, so Ladusch.
Die Leipziger Sektion gründete sich im Dezember 1989 wieder, die Münchner nannten sich ab da Sektion Sulzenau, betrieben die Hütte weiter und übertrugen letztlich 2008 im Zuge ihrer Eingliederung in die Sektion Leipzig die Sulzenauhütte den Sachsen. „Im Abschluss wurde die Übergabe der Hütte in den Besitz und die Verantwortung der Sektion Leipzig mit der symbolischen Schlüsselübergabe im Juni 2011 auf der Hütte selbst gefeiert“, erinnert sich der Leipziger.
„Seitdem ist der normale Hüttenbetrieb dank der Familie Schöpf mit über 6000 Übernachtungen und tausenden Tagesbesuchern pro Saison weitergegangen“, berichtet Ladusch. Für die Zukunft stünden die ganz normalen Aufgaben von Wartung und Unterhalt, aber auch geplante Vorhaben zum Ausbau der Hütte an – weniger zur Erhöhung der Kapazität, als zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Wirte und des Hilfspersonals. „Die geplanten An- und Umbauten am Haus selbst werden etwa 650?000 Euro kosten“, blickt er voraus. Für eine neue Abwasseranlage, die bis 2015 den Naturschutzbestimmungen entsprechend erstellt werden müsse, beliefen sich die Kosten nach ersten Gutachten auf 230.000 Euro. „Die Sektion Leipzig wird also für eine moderne, und umweltfreundliche Alpenhütte Finanzmittel aufbringen müssen, deren Quellen fast noch in den Sternen über den Bergen stehen“, hofft Ladusch auf die Unterstützung zahlreicher Bergfans der Region.
Der Kleine (2885 Meter) und der Große Trögler (2902) sind die Hausberge der Sulzenauhütte. Auch beim Übergang zur Dresdener Hütte, der ältesten im Gebiet, sind sie ein schönes Zwischenziel der Tagestour. Das beeindruckende Panorama über die Hohen Stubaier Alpen und das Stubaital reicht sogar bis in das 45 Kilometer entfernte Karwendel hinter dem Inntal. Die Mairspitze (2775), Aperer und Wilder Freiger sowie Wilder Pfaff und das Zuckerhütl – mit 3501 Metern der höchste Gipfel der Stubaier Alpen – sind weitere erreichbare Gipfel. Zum ersten Mal kann in diesem Jahr am 6. Juni auf der Hütte übernachtet werden.
© LVZ-Online, 30.03.2012, 15:02 Uhr