Leipziger Hütten im Deutschen Alpenverein
Hütten der Sektion Leipzig im Deutschen Alpenverein: „Lenkjöchl“ gewinnt Wettbewerb
Martin Pelzl
Foto: Privat
Die Lenkjöchlhütte am Abend vor dem Rötspitz.
Die zweitälteste Sektion im Deutschen Alpenverein (DAV) – die Leipziger – kann auf eine bewegte, über 140-jährige Geschichte zurückblicken. Schon bald nach ihrer Gründung begann sie mit dem Bau von Berghütten in den Alpen und schnell avancierten die Leipziger zu einer der hüttenreichsten Sektionen. Zwei Weltkriege, Naturkatastrophen und Verbote brachten einschneidende Veränderungen. In einer kleinen Serie sollen die aktuellen wie einstigen Hütten vorgestellt werden. Heute: die Lenkjöchlhütte in Südtirol.
Im hinteren Ahrntal im Gebiet der Hohen Tauern und westlich der Venedigergruppe gelegen, ist die Geschichte der Lenkjöchlhütte in 2603 Metern Höhe eng mit der Grasleitenhütte im Rosengarten verbunden. „Eigentlich wollte die DAV-Sektion Leipzig 1886 nur eine weitere Hütte bauen“, hat Hartmut Halang recherchiert. Auf der Suche nach dem Standort seien alle „Vereinsgenossen“ beauftragt worden, „bei ihren Reisen die Örtlichkeiten zu besuchen und zu begutachten“. Es entstanden zwei Gruppen, die sich nicht so recht auf einen gemeinsamen Nenner einigen konnten. Gutachten hin, Gutachten her folgten. Kurzum: „Auf der entscheidenden Hauptversammlung im Oktober des Jahres wurde letztlich der ,Komproniss‘ beschlossen, beide Hütten zu bauen“, so Halang. Zugleich sei auf besagter Sitzung „Baudirector“ Hugo Licht – unter anderem der Erbauer des Neuen Rathauses und der Johanniskirche – „für die Abfassung der Pläne zum Hüttenbau gedankt“ worden.
„Der eigentliche Bau begann im Frühjahr 1887 sofort nach der Begehbarkeit des Geländes, die Einweihung fand noch im selben Jahr am 2. September statt“, berichtet das Leipziger DAV-Mitglied. Genau eine Woche später eröffnete dann die Grasleitenhütte. Bei der Gewinnerin des kleinen sektionsinternen Hüttenbau-Wettbewerbs dachte man schon damals bei der Konstruktion „an die nötige Steilheit des Daches zur Verringerung der Schneelast, an den Verzicht auf Vorbauten, worin sich Stürme verfangen könnten, und an einen offenen Winterraum, um ein Aufbrechen zu vermeiden“, so Halang.
Erst ab 1891 allerdings konnte die Hütte auch bewirtschaftet werden, „von 1905 bis 1907 wurde sie gänzlich umgebaut und erweitert“, wie der Bergfan in Erfahrung bringen konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel die österreichische Provinz Südtirol an Italien und damit auch die Lenkjöchlhütte. „Sie trägt seitdem den Namen Rifugio Giogo Lungo und gehörte zuerst dem Staat Italien, seit 2006 der Autonomen Provinz Bozen“, so Halang. Die Sektion Bruneck des Alpenvereins Südtirol habe sie in Konzession gepachtet, aber das weitere Schicksal sei – wie bei vielen anderen Hütten auch – noch unklar.
Foto: Google Earth / Grafik: Enzo Forciniti
Gut erreichbar sind die beiden hochalpinen Dreiherren- (3499 Meter) und die Rötspitze (3495) sowie – für normale Bergwanderer sehr zu empfehlen – das Ahrner Köpfl (3051). „Ab Kasern ist zudem ein Übergang zu Fuß über die Birnlückenhütte in 2446 und die Birnlücke in 2667 Metern Höhe nach Österreich möglich“, so Halang. Auch eine Zwei-Tages-Tour über das Röttal hinauf, Übernachtung auf der relativ kleinen, aber gemütlichen Lenkjöchlhütte, kleine Tagestour beispielerweise zum Ahrner Köpfle und der Abstieg über das Windtal sei bei entsprechender Kondition ein wunderbarer Ausflug. In den Talorten Prettau/Kasern könnten zudem ein Kupferbergwerk, eine Mineraliensammlung, Holzschnitzereien und Klöppelarbeiten besichtigt werden.
© LVZ-Online, 29.04.2012, 21:23 Uhr