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Zu Besuch bei Ruandas Berggorillas

Im ehemals umkämpften Grenzgebiet rund um die Virunga-Vulkane leben die letzten Berggorillas. (Foto: Ricky Gare)   Foto: dpa Im ehemals umkämpften Grenzgebiet rund um die Virunga-Vulkane leben die letzten Berggorillas. (Foto: Ricky Gare)

Kinigi (dpa/tmn) - Ruanda, das Land der tausend Hügel, ist den meisten Menschen wegen seiner dunklen Geschichte bekannt. Doch mittlerweile ist Ruanda wieder ein sicheres Reiseland. Seine größte Attraktion sind die letzten frei lebenden Berggorillas.

Mehr als 15 Jahre sind vergangen seit dem Völkermord in Ruanda. Für Reisende gilt das ostafrikanische Land wieder als sicher, selbst ein Abstecher in das ehemals umkämpfte Grenzgebiet rund um die Virunga-Vulkane ist heute möglich. Und er lohnt sich: Dort leben die letzten Berggorillas, bedroht durch Bürgerkriege und Wilderei.

zum Thema Tourismusseite von Ruanda (engl.) Weitere Infos zu den Gorilla-Wanderungen

International bekannt gemacht hat sie der Film «Gorillas im Nebel», der vom Leben und Arbeiten der Primaten-Forscherin Dian Fossey erzählt. Die Amerikanerin kam Ende der 1960er Jahre nach Ruanda, um die Primaten zu erkunden und zu schützen.

Fossey ist es wohl zu verdanken, dass auch heute noch Berggorillas in den Bambuswäldern der Virunga-Vulkane leben. Ein Besuch bei diesen Menschenaffen ist ein einmaliges Erlebnis, das auf keinen Fall bei einer Reise durch Ruanda fehlen sollte - auch wenn es 500 Dollar pro Person kostet. Das Geld ist gut angelegt, mit ihm werden die Tiere geschützt.

Nur acht Gruppen von Gorillas sind an Menschen gewöhnt. Um die Tiere nicht zu sehr zu stören, dürfen nur je acht Wanderer je eine dieser Gruppen pro Tag besuchen. Interessierte sollten diese Wanderung daher am besten schon von Deutschland aus buchen und organisieren. Gerade in der Hauptsaison von Juli bis September ist es schwierig, kurzfristig eines der begehrten Tickets zu bekommen.

Der Besuch der Berggorillas ist kein Spaziergang: Die Tiere leben auf einer Höhe um die 2500 Meter. Die Wanderung beginnt bereits um sieben Uhr morgens, denn am Vormittag sind die Tiere besonders aktiv und gut zu beobachten. Treffpunkt für die Tour ist die Tourismuszentrale in Kinigi. Trekking-Touristen aus aller Welt wuseln voller Vorfreude und Aufregung umher. Am Horizont durchbrechen die Gipfel der Vulkane langsam den milchigen Nebel über den Tälern.

Die Ranger begutachten unauffällig ihre Kunden und teilen sie in Gruppen ein. Wer etwa die Susa-Gruppe sehen möchte, muss sich auf einen anstrengenden Marsch einstellen. Der Weg zur Amahoro-Gruppe, die auch schon der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer besucht hat, ist etwas weniger beschwerlich.

Sind die Besucher einer Gruppe zugeteilt, gibt der begleitende Ranger eine kurze Einführung über die jeweilige Gruppe. Auch einige Verhaltensregen gehören dazu: Besucher sollten nur in ihre Armbeuge niesen und husten, wenn sie den Gorillas näherkommen. So soll verhindert werden, dass sich die Berggorillas mit menschlichen Krankheiten anstecken. Denn selbst eine für den Menschen ungefährliche Grippe kann für die Gorillas tödlich enden. Wer sich krank fühlt, sollte am besten gleich im Hotel bleiben. Das Geld für die Wanderung gibt es in diesem Fall zurück.

Der Weg zur Amahoro-Gruppe führt zunächst per Jeep mitten durch weite Blumenfelder. Ruanderinnen arbeiten dort schon früh morgens mit ihren Spitzhacken. Manche tragen ihre Kinder auf dem Rücken, andere lassen sie auf dem Feld herumtoben.

Hinter den Blumenfeldern beginnt der Nationalpark. Die Ranger verteilen dicke Wanderstöcke, der Aufstieg beginnt. Nun machen sich die festen Schuhe, langen Hosen und langärmeligen T-Shirts bezahlt. Überall lauern brennnesselähnliche Pflanzen, Wurzeln und Astgabeln tauchen plötzlich vor den Wanderern auf.

Dann heißt es still sein, Rucksäcke und Wanderstöcke abstellen und rein ins Gebüsch. Denn die Gorillas halten sich selten direkt am Wegesrand auf. Der Boden ist überwuchert von Farnen und entsprechend rutschig. Immer wieder müssen die Ranger den Wanderern mit ihren Macheten den Weg freischlagen.

Und dann stehen sie plötzlich vor einem, und jede Scheu ist wie weggewischt. Die Wanderer setzen sich auf den feuchten Boden, beobachten und bestaunen andächtig die bedrohten Tiere. Selbst durch die Linse der Fotoapparate wirkt es, als würden einen die Menschenaffen ansehen.

Bis zu fünf Meter lassen die Ranger Besucher an die Tiere heran. Doch weil die Gorillas diese Regeln nicht kennen, kann es vorkommen, dass eines der Tiere näher herankommt oder sich ein Baby gar an das Bein eines Besuchers klammert. In diesem Fall gilt: Ruhe bewahren und auf die Anweisungen der Ranger hören.

Eine Stunde haben Besucher Zeit, die Menschenaffen beim Fressen, Spielen und Kuscheln zu beobachten. Momente, die kaum einer je vergessen wird. Die Gorillas ähneln den Menschen verblüffend. Doch dann heißt es Abschied nehmen und den Rückweg antreten. Berauscht durch die Erlebnisse, nehmen ihn die Wanderer als weit weniger beschwerlich wahr. Als zusätzliche Belohnung bekommen sie unten bei den Jeeps eine Urkunde.

 
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