Erfurt/Eisenach. Zwischen Geburtstagstorte und Wurstplatte noch schnell einmal durch die Stadt: Bei Familienfeiern gibt es einen neuen Trend. Die Gäste werden auf eine Stadtführung geschickt. Die klassische Stadtführung ist nach Einschätzung von Fachleuten trotz des Trends zu Erlebnistouren mit Nachtwächtern oder einer mittelalterlichen Hofdame beliebt. „Führungen, die einen umfassenden Überblick geben, haben nach wie vor Vorrang“, sagte die Vorsitzende des Vereins Erfurter Gästeführer, Petra Bischoff, in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.
Darüber hinaus gebe es eine Vielzahl von unterschiedlich genutzten Angeboten für spezielle Interessen - von Politikgeschichte bis zur Gartenbautradition. Dabei bekommen es die Stadtführer in Erfurt und anderen Städten zunehmend mit einem neuen Betätigungsfeld tun: Sie sind Unterhalter bei Familienfeiern.
„Dass die Gäste bei Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern zwischen Kaffee und Abendessen auf Stadttour geschickt werden, liegt im Trend“, sagte die Vorsitzende des 29 Mitglieder zählenden Vereins Eisenacher Stadtführer, Ulrike Frank. Das bestätigt auch der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland, der in Thüringen 200 Mitglieder in Eisenach, Erfurt, Jena, Weimar, Gera und Bad Langensalza hat. Mitunter würden Gästeführer bei Familienfesten auch nur zu einem Computer-Streifzug durch die Stadtgeschichte geordert, sagt Frank. „Das dann eben im historischen Kostüm.“ In Erfurt würden bei Familienfeiern oft Touren mit einer altertümlichen Straßenbahn gebucht, berichtet Bischoff. An Kindergeburtstagen könnten spezielle Kinderführungen organisiert werden.
Während in Städten wie Weimar, Eisenach, Erfurt oder Jena die reichlich vorhandenen Kulturdenkmäler und bedeutenden historischen Stätten im Zentrum von Gästeführungen stehen, hat sich Thüringens Wintersportzentrum Oberhof auf die Sportfans spezialisiert. Dabei liegt für die Besucher der Reiz nicht allein darin, das aus dem Fernsehen bekannte Skistadion, den Skitunnel, die Sprungschanzen und die Bob- und Rodelbahn im Original zu sehen, wie Gästeführerin Brigitte Wiegand sagte. „Die Leute wollen natürlich möglichst auch die Sportler beim Training sehen.“ Das klappe allerdings nicht immer.
Am kommenden Wochenende werden in mehreren
Thüringer Städten
spezielle Stadtführungen unter dem Motto „Durch Tür und Tor“ angeboten. Unter anderem locken Weimar, Gera und Erfurt zu den zumeist kostenlosen Streifzügen, deren Anlass der Weltgästeführertag am 21. Februar ist. In den vergangenen Jahren wurde dieses Angebot nach Einschätzung von Gästeführern gut genutzt.
Im touristischen Alltag nehmen neben Kulturtouristen vor allem Gruppen das Angebot von Stadtführungen an. „Kegelvereine, Frauenkränzchen - da ist alles dabei“, erzählt Ulrike Frank. Zumeist seien die Teilnehmer älter als 40 Jahre. Dagegen gelten Jugendliche für Stadtführer als echte Herausforderung. Frank: „Da hängt auch viel davon ab, wie die Schulen das Interesse wecken.“
Kein Problem haben die Gästeführer hingegen mit der auch in Thüringen aufkommenden elektronischen Konkurrenz durch sogenannte Audioguides, auf denen man Erläuterungen zu Sehenswürdigkeiten abhören kann. Die Geräte seien eher eine Ergänzung des touristischen Angebots für Menschen, die den individuellen Streifzug bevorzugten.