All Star Game 2012
All Star-Team der Handballer in Leipzig: 5000 Tickets sind weg – SC DHfK vor großem Auftritt
Matthias Roth
Leipzig. Der internationale Spitzenhandball der Männer kommt zurück nach Leipzig. Die deutsche Nationalmannschaft trifft am 4. Februar 2012 auf ein internationales All Star-Team der Bundesliga (HBL). Die Nachfrage ist gewaltig für die Begegnung in der Leipziger Arena. Schon 5000 der 7500 Karten sind verkauft worden. „Und das ohne große Werbung“, freut sich HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Dabei war bisher gar nicht klar, wer für die All Stars aufläuft und wer die Mannschaft trainiert.
Seit Donnerstag ist klar: Die internationalen Spitzenspieler der Liga werden in Leipzig vertreten sein. Die von rund 300.000 Handball-Fans bei einer Abstimmung im Internet sowie Trainern nominierte Auswahl wird angeführt von den französischen Weltmeistern Thierry Omeyer, Daniel Narcisse (beide THW Kiel) und Bertrand Gille (HSV Hamburg). Zudem wurde Welthandballer Filip Jicha vom deutschen Rekordmeister THW Kiel in den 21 Spieler umfassenden Kader berufen. Vom SC Magdeburg sind Robert Weber und Bartosz Jurecki dabei.
Das Onlinevoting sorgte aber auch für Überraschungen. Kevin Schmidt (Wetzlar) und Matthias Gerlich (Hüttenberg) schafften es ebenfalls in den Kader. Die frühere Nationalspieler und heutige Aufsichtsrat des SC DHfK, Stefan Kretzschmar, nannte die Abstimmung deshalb „teilweise abenteuerlich“. Trainiert wird die Weltauswahl von Alfred Gislason (Kiel) und Jan Gorr (Hüttenberg).
„Ich hoffe, dass wir eine ähnlich gute Show zu sehen bekommen wie letztes Jahr. Das wird kein Spiel nur für die Galerie“, sagt Bohmann. Der HBL-Geschäftsführer war von der großen Resonanz bei der Abstimmung nach 80.000 Teilnehmern im Vorjahr begeistert. Die HBL habe auch in den sozialen Netzwerken für das All Star-Team getrommelt. Der Zuspruch zeige ihm: die Zielgruppe für den Männerhandball werde jünger und auch weiblicher.
Die Liga hatte im vergangenen Februar erstmals mit dem Spektakel in Leipzig vor ausverkauftem Haus gastiert. „Die Stimmung war da phantastisch“, erinnert sich Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke). Vielleicht lasse sich die Atmosphäre in diesem Jahr noch einmal toppen.
Für Bundestrainer Martin Heuberger ist der Vergleich eine gute Gelegenheit, sich mit der deutschen Auswahl gleich nach der Europameisterschaft in Serbien vor heimischen Publikum zu präsentieren. Im vergangenen Jahr habe er, damals noch als Co-Trainer von Heiner Brand, etwas Angst vor der Reaktion der Fans gehabt.
Deutschland hatte bei der Weltmeisterschaft in Schweden nur den elften Platz belegt. „Die Euphorie war trotzdem riesig. Das zeigt welches Potential Leipzig im Männerhandball hat“, so Heuberger. Im kommenden Jahr will er dann ein Erfolgserlebnis im Gepäck mitbringen. Der Bundestrainer peilt mit seinen Spielern zumindest den Sprung ins Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele in London an.
Beim erneuten Gastspiel der All Stars wird es allerdings kein Vorspiel von zwei Prominententeams geben. Starkoch und Hobbyhandballer Tim Mälzer oder der einstige Weltklasse-Hochspringer Carlo Thränhardt dürfen sich damit nicht erneut auf dem Parkett zeigen. „Die Jungs sind sehr traurig“, so Kretzschmar. Statt dessen soll Heubergers wieder ins Leben gerufene B-Nationalmannschaft gegen das Zweitligateam des SC DHfK Leipzig auflaufen.
„Das B-Team war eine meiner Forderungen beim Amtsantritt“, berichtet der Bundestrainer. Junge Spieler sollen so an die A-Nationalmannschaft herangeführt werden. Wie das geht schauen sich die Handballer auch bei den Fußballern ab. „Jogi Löw hat doch inzwischen das Problem, welchen 21-Jährigen er aufstellt“, meint Heuberger.
Er stehe gemeinsam mit Heiner Brand deshalb im regen Austausch mit DFB-Nachwuchschef Matthias Sammer. Vergleichen ließen sich beide Sportarten freilich nicht. Junge Handballer am Beginn ihrer Karriere seien körperlich noch nicht weit genug entwickelt. „Wenn ein 18-Jähriger gegen Filip Jicha spielt, dann läuft er doch gegen eine Wand“, glaubt Heuberger.
Für die Zweitligahandballer des SC DHfK wäre ein Auftritt in der Arena schon ein möglicher Vorgeschmack auf die nächste Saison. Die Verantwortlichen der Grün-Weißen sind mit der Stadt im Gespräch über einen Wechsel von der Ernst-Grube-Halle rüber in die Arena. „Beschlossen ist noch nichts, wir loten aber alles aus“, sagte Karsten Günther, Geschäftsführer der SC DHfK Handball GmbH.
Die Unterstützung von Sportbürgermeister Rosenthal ist ihm sicher. „Die Stadt als Eigentümerin der Arena redet da ein gewichtiges Wort mit“, so der Ressortchef. Das Problem sei die Koordinierung der Termine. Konflikte mit dem HC Leipzig sieht Rosenthal nicht. Die Stadt sei groß genug für Männer- und Frauenhandball.
Scheitern könnte der Auftritt des SC DHfK noch am Veto des Zweitligakonkurrenten aus Erlangen. Die Franken müssten eigentlich einen Tag später in Leipzig antreten. „Wir wollen das Spiel aber auf den Mittwoch danach verlegen“, berichtet Günther. DHfK-Trainer Uwe Jungandreas und der Mannschaftsrat hätten schon zugestimmt, aber Erlangen könnte sich noch quer stellen.
© LVZ-Online, 15.12.2011, 14:30 Uhr